𝔖 Bobbio Scriptorium
✦   LIBER   ✦

Mikrobielle Werkstoffzerstörung – Grundlagen: Mikrobielle Schädigungsmechanismen

✍ Scribed by Dr. W. Sand


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1994
Tongue
German
Weight
585 KB
Volume
45
Category
Article
ISSN
0947-5117

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


Abstract

Grundsätzlich sind alle Gruppen von Mikroorganismen, also Bakterien (und Cyanobakterien), Algen, Pilze und Flechten, in der Lage, durch Ausscheidung von Stoffwechselzwischen‐ und Endprodukten oder auf enzymatischem Wege Werkstoffe anzugreifen und zu schädigen. Je nach Nutzung eines Werkstoffes reicht das Spektrum mikrobiell beeinflußter Schäden von ästhetischen Problemen z. B. durch Verfärbung eines Kunststoffes durch eingelagerte Farbstoffe bis hin zur vollständigen Zerstörung von Werkstoffen wie z. B. durch biogene Schwefelsäurekorrosion von Beton. Die Angriffsmechanismen lassen sich trotz der Vielfalt der an Schädigungsprozessen mitwirkenden Mikroorganismen in sieben Hauptkategorien gliedern:

Angriff durch Mineralsäuren wie Schwefelsäure, Salpetersäure, Kohlensäure → Säurehydrolyse von Werkstoffen.

Angriff durch organische Säuren wie Essigsäure, Zitronensäure, Oxalsäure, Gluconsäure, Ameisensäure, Aminosäure etc. → Säurehydrolyse von Werkstoffen und Chelatisierung von Metallionen.

Salzstreß durch Reaktionsprodukte von 1) und 2) → Bindung von Kristallwasser = Volumenvergrößerung und damit Sprengwirkung „treibender Angriff”︁, Erhöhung des Wassergehaltes poröser Werkstoffe durch hydrophile Wirkung = Verstärkung des Angriffes Frost Tau‐Wechsel, chemische Reaktionen mit Werkstoffmatrix durch Umkristallisationen.

Einwirkung von Schadstoffen wie Schwefelwasserstoff, Stickoxide → die mikrobielle Oxidation von Schwefelwasserstoff führt zur Säurebildung oder im Falle der Ausscheidung als Stoffwechselendprodukt zu Metallkorrosion durch Ausfällung von Metallsulfiden.

Einwirkung von Biofilm → Ausscheidung von exopolymeren Substanzen führt z. B. zu Metallkorrosion durch Bildung lokaler Spannungselemente, Erhöhung des Wassergehaltes wie bei 3), hydrophobierende Effekte durch Füllen und Verstopfen von Porenraum.

Angriff durch Enzyme → Bildung von Exoenzymen zur Spaltung unlöslicher organischer Makromoleküle wie Cellulose in kleine, wasserlösliche Bruchstücke wie Glucose.

Einwirkungen von oberflächenaktiven Substanzen → Ausscheidung von Stoffwechselzwischenprodukten zur Erhöhung der Wasserlöslichkeit hydrophober Substanzen.

Die aufgeführten Angriffsmechanismen wirken nicht separat, sondern vielfach gemeinsam auf Werkstoffe ein. Chemische Methoden zum Nachweis mikrobiell beeinflußter Werkstoffzerstörung versagen häufig oder liefern ein verzerrtes Bild, weil es sich bei den angreifenden Agenzien vielfach um labile Stoffwechselprodukte handelt. Diese können in späteren Phasen des Wachstums von Mikroorganismen wieder aufgenommen und im Stoffwechsel verarbeitet werden. Das trifft z. B. auf organische Säuren, Nitrate und Enzyme zu. Chemisch meßbar sind nur intermediäre Poolgrößen, die kaum eine Aussage über die tatsächliche Angriffsstärke zulassen. Mikrobiologische Untersuchungen zur Klärung der Kausalität sind daher unbedingt erforderlich.


📜 SIMILAR VOLUMES


Mikrobielle Werkstoffzerstörung – Grundl
✍ Prof. Dr. E. Heitz 📂 Article 📅 1994 🏛 John Wiley and Sons 🌐 German ⚖ 357 KB

## Abstract Durch mikrobiologische Wachstumsprozesse auf Metalloberflächen werden eine Reihe von Korrosionsreaktionen induziert, die mit Änderungen der Bedingungen an der Grenzoberfläche zusammenhängen. Die in Frage kommenden Korrosionssysteme sind dabei sehr vielfältig und die Schädigungsmechanism

Mikrobielle Werkstoffzerstörung – Grundl
✍ Dr. H.-C. Flemming 📂 Article 📅 1994 🏛 John Wiley and Sons 🌐 German ⚖ 421 KB

## Abstract Daß Mikroorganismen organische Werkstoffe angreifen, ist seit langem bekannt. Daß sie auch mineralische, metallische und synthetisch‐organische Werkstoffe angreifen können, ist eine relativ neue Erkenntnis. Es wird geschätzt, daß mindestens 20% aller Korrosionsschäden an Metallen und Ba

Mikrobielle Werkstoffzerstörung – Grundl
✍ Prof. Dr. R. Schmidt 📂 Article 📅 1994 🏛 John Wiley and Sons 🌐 German ⚖ 564 KB

## Abstract Die moderne Entwicklung der Werkstoffwissenschaft bedingt einen Wandel in den Methoden und Strategien. Es wird angestrebt, die an und im Festkörper ablaufenden Reaktionen in Form von Modellen zu beschreiben. Gegenwärtig gelingt es aber nur, aus experimentellen Untersuchungen mathematisc

Mikrobielle Werkstoffzerstörung – Simula
✍ Priv. Doz. Dr. habil. Friedrich E. W. Eckhardt 📂 Article 📅 1994 🏛 John Wiley and Sons 🌐 German ⚖ 538 KB

## Abstract In dieser kurzen Übersicht wird aufgezeigt, daß Werkstoffe grundsätzlich auf ihrer Oberfläche und bei vorhandener (Mikro) Porosität auch Zentimeter tief mit verschiedensten Mikroorganismen (Bakterien, Pilzen, Algen) besiedelt sind. Eine Besiedelung anfänglich unkontaminierter Flächen–un

Mikrobielle Werkstoffzerstörung – Schade
✍ Dipl.-Biol. M. Pantke 📂 Article 📅 1994 🏛 John Wiley and Sons 🌐 German ⚖ 842 KB

## Abstract Die großtechnische Produktion synthetischer Kunststoffe beginnt in den dreißiger Jahren. Die vielseitige Verwendbarkeit der neuen Werkstoffe wird durch die Anwendung neuer Verarbeitungstechnologien und vor allem durch den Einsatz spezieller Mischungskomponenten erreicht, welche dem Mate

Mikrobielle Werkstoffzerstörung – Schade
✍ Dr. rer. nat. F. O. Dinglinger 📂 Article 📅 1994 🏛 John Wiley and Sons 🌐 German ⚖ 328 KB

## Abstract Biofouling ist etwas Alltägliches. Normalerweise verursacht es keine unvorhersehbaren Probleme, wenn man stets ein Auge darauf hat. Wenn Biofouling aber mit Spezialmitteln bekämpft wird, können plötzlich Probleme auftauchen. Das Abwasser hält nicht mehr die im Bescheid geforderten Werte