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Über die Inhaltsstoffe des grünen Knollenblätterpilzes, XXX. Strukturen der Amanitine

✍ Scribed by Wieland, Theodor ;Gebert, Ulrich


Publisher
Wiley (John Wiley & Sons)
Year
1966
Weight
907 KB
Volume
700
Category
Article
ISSN
0074-4617

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✦ Synopsis


Eingegangen am 16. Mai 1966 a-und P-Amanitin sind cyclische Octapeptide, deren Ring zusatzlich durch eine Thioather-Bindung zwischen dem Schwefel-Atom eines Cystein-Restes und der 2-Stellung eines empfindlichen Indol-Teils iiberbriickt ist. Nach der Totalhydrolyse mit Salzsaure konnen durch Papierelektrophorese und Papierchromatographie identifiziert werden: Asparaginsaure, Glycin, Isoleucin, y.6-Dihydroxy-isoleucin, Hydroxyprolin, Cystein sowie Cysteinsaure.

Der aromatische Anteil wird dabei weitgehend zerstort. Er gehort im Toxin dem 6-Hydroxytryptophan an, dessen UV-Spektrum nach hydrogenolytischer Desulfurierung mit Raney-Nickel im Desthio-a-amanitin sichtbar wird. Dieses enthalt Alanin statt Cystein. Seine saureempfindliche 6-Hydroxy-indol-Gruppierung laRt sich durch katalytische Hydrierung stabilisieren. Dabei entsteht unter gleichzeitiger reduktiver Eliminierung der phenolischen OH-Gruppe Perhydrodesthio-a-amanitin (PDA). Im Totalhydrolysat von PDA erscheinen als Veranderung gegeniiber dem Toxin die Aminosauren Alanin und Octahydrotryptophan (6). Durch spezielle Hydrolyse der von der Carboxyl-Gruppe des y.6-Dihydroxy-isoleucins ausgehenden Peptid-Bindung entsteht ein lineares Octapeptid, seco-Perhydro-desthio-a-amanitin (SPDA, 14), von welchem durch Edman-Abbau die Sequenz der Aminosauren, die alle der L-Reihe angehoren, ermittelt wird. Die Ergebnisse des Abbaus lassen die Aufstellung der auf S. 169 angegebenen Strukturformeln zu. a-Amanitin (15a) ist das Amid des P-Amanitins (15 b); im y-Amdnitin (15c), das sehr wahrscheinlich denselben Bau besitzt, ist y.6-Dihydroxyisoleucin durch y-Hydroxy-isoleucin ersetzt.

Das Haupttoxin von Amanita phalloides, dem wohl ausschliefilich die Opfer der Vergiftung durch den Knollenblatterpilz zuzuschreiben sind, ist das erst wahrend mehrerer Tage zum Tod fiihrende neutrale a-Ainanitin. Dessen Toxizitat bei der weifien Maus liegt, wie durch zahlreiche Versuche endgiiltig ermittelt wurded), bei LD50 = 300-350 kg/kg. Das spater entdeckte P-Amanitin von ahnlicher Toxizitat 1) XXIX. Mitteilung: V. Georgi und Th. Wieland, Liebigs Ann. Chem. 700, 149 (1966), voranstehend. 2) Teilweise vorgetragen beim Internat. Symposium fur Naturstoffchemie der IUPAC in Kyoto 1964; Referat in Pure appl. Chem. 9, 145 (1964).

  1. U. Gebert, Dissertation Univ. Frankfurt a. M. 1964 (D 30). 4) Frl. A . Schmitz in Firma C. H. Boehringer Sohn, Ingelheim, danken wir auch an dieser Stelle fur die sehr sorgfaltige Ausfiihrung samtlicher toxikologischer Versuche.

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