𝔖 Bobbio Scriptorium
✦   LIBER   ✦

Über pflanzliche Herzgifte, XI. Mitteil.: Die Konstitution des Thevetins

✍ Scribed by Tschesche, R.


Publisher
Wiley (John Wiley & Sons)
Year
1936
Weight
320 KB
Volume
69
Category
Article
ISSN
0365-9631

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


Vor zwei Jahren berichteten K. K. Chen und A. L i n g Chenl) iiber die Gewinnung eines krystallisierten Herzgiftes T h e v e t i n aus dem gelben Oleander, Thevetia neriifolia, einer Apocynacee, die in Siidamerika, Indien und den Hawai-Inseln anzutreffen ist. Das Thevetin sollte die Zusammensetzung C,$€,,O,, haben und ein Glykosid sein; das Aglykon und der Zucker wurden nicht krystallisiert erhalten. Die Formel von Chen erregte meine Bedenken, denn nach ihr sollte das Thevetin, wenn das Genin wie in den anderen Herzgiften 23 C-Atome enthielt, nur ein Molekul Zucker enthalten. Chen gibt aber an, daI3 Thevetin nicht in Chloroform loslich sei, wahrend darin die bisher bekannten Herzgifte mit nur einem Zucker-Rest mehr oder weniger loslich sind. Auch die relativ geringe Giftigkeit des Thevetins fur Katzen war auffallig, denn nach den bisherigen Erfahrungen sind diejenigen Herzgifte, deren Aglykone am starksten mit Sauerstoff beladen sind, auch die wirksamsten. Das Genin Thevetigenin sollte aber, vorausgesetzt , daI3 die Formel von Chen richtig ware, mindestens acht 0-Atome haben. Eine eingehendere Untersuchung des Thevetins schien daher fur die Frage der Beziehungen zwischen Konstitution und Wirksamkeit der herzwirksamen Glykoside bedeutungsvoll. Als ich vor einigen Monaten in den Besitz einiger kg Thevetia-Niisse von den Hawai-Inseln kam, habe ich daher die Bearbeitung des Thevetins aufgenommen.

Nach der Vorschrift von Chen gelang es ohne Schwierigkeiten das Thevetin zu gewinnen; es envies sich mit einer Probe des Materials, das Chen erhalten hat, vollkommen identisch,). Die Lacton-Titration zeigte sofort, da13 die Formel des Thevetins wahrscheinlich in C,,H,,O,, abgeandert werden mu13 ; es miissen drei Zuckermolekiile an das Genin gebunden sein. Die Untersuchung der durch Saurehydrolyse bereiteten Zucker ergab, daB es sich' um zwei Molekiile Glucose und einen Methylather-Zucker, vielleicht Digitalose handelt. Die beiden Glucosemolekiile sind in Form der Gentiobiose verkniipft, denn bei der Acetylierung mit Essigsaure-anhydrid und Zinkchlorid tritt unter teilweiser Spaltung des Glykosids O k t a c e t y l -g e n t i o b i o s e auf. Auch bei vorsichtigerer Hydrolyse des Thevetins mit Sauren werden die beiden Glucose-Reste leicht entfernt. Der dritte Zucker kann erst unter so energischen Bedingungen von dem Aglykon gelost werden, daB letzteres unter Wasser-Abspaltung verandert wird. Es gelang auch nicht, den letzten Zucker zu erfassen, da die notwendige energische Einwirkung von Sauren schon zu einer teilweisen Zerstijrung des Zuckers gefiihrt haben diirfte. Die Methoxylbestimmung des Thevetins zeigt aber an, da13 es sich um einen Methylather-Zucker handeln mu13. Das Thevetin liefert auch eine Iso-Verbindung wie die anderen Herzgifte, es ist also im Aglykon eine Hydroxylgruppe an C, , enthalten, die bei der Saure-Einwirkung als Wasser herausgenommen wird. l ) Journ. Biol. Chem. 106, 231 [1934]. *) Ich mochte Hrn. Dr. K. K. Chen auch an dieser Stelle fur das ubersandte Thevetin bestens danken.


📜 SIMILAR VOLUMES