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Über hochpolymere Verbindungen, 39. Mitteil.: Über Cellulose

✍ Scribed by Staudinger, H. ;Frey, K. ;Signer, R. ;Starck, W. ;Widmer, G.


Publisher
Wiley (John Wiley & Sons)
Year
1930
Weight
612 KB
Volume
63
Category
Article
ISSN
0365-9631

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✦ Synopsis


In friiherer Zeit wurde bekanntlich die Cellulose wie andere Polysaccharide fur hochmolekular angesehen, und zwar nahm man an, daf3 zahlreiche Glucose-9) resp. Cellobiose-Molekiile4) glucosidartig zu Ketten aneinander gebunden seien. Unbekannt war die GroBe des Polymerisationsgrades, also die MolekiilgroQe, und weiter die genaue Konstitution der Cellobiose -resp. des Cellobiose-anhydrids, welches das Grundmolekiil der Kette bildet. Letzteres ist durch Haworths5) Arbeiten bekannt geworden. Dagegen fehlt auch heute die Bestimmung des Molekulargewichtes und die Kenntnis der Besetzung der Endvalenzen des Cellulose-Molekiils.

Die Bestimmung der MolekiilgroBe ist zur Kenntnis der Cellulose von entscheidender Bedeutung. Denn bei Hochpolymeren von bekannter Konstitution ergibt sich, dal3 wichtige Eigenschaften, wie die Festigkeit, die Ltislichkeit, die Quellungsfahigkeit und endlich auch die Beschaffenheit der Wsung ganz wesentlich von der Molekiil-Liinge, also vom Polymerisationsgrad abhiingen. Das beste untersuchte Beispiel')) in dieser Hinsicht ist das Poly-styrol') . Niedermolekulare Produkte vom Polymerisationsgrab 10--100 sind pulverig, leicht zerreibbar, losen sich leicht in organisclien Wsungsmitteln, ohne zu quellen, und geben niederviscose Losungen. Diese Produkte verbalten sich wie niedermolekulare Stoffe und haben hemi-kolloiden Charakter 8 ) . Dagegen sind hochmolekulare Poly-styrole vom Polymerisationsgrad ca. 1000 a d e r s t ziihe, glasartige Massen, die in organischen Lijsungsmitteln quellen und hochviscose Losungen geben. Diese auffallenden kolloiden Eigenschaften der Poly-styrole s, wie auch des KautschukslO) lassen sich in einfacher Weise damit in Zusammenhang bringen, dal3 in deren I&sungen Makro-molekiile vorhanden sind. Solche Zusammenhange zwischen der Molekiilgrofie und wicbtigen physikalischen Eigenschaften ergeben sich auch bei Cellulose und Cellulose-Derivaten, wie in der nachfolgenden 41. Mitteilung behandelt wird. . ' h e r die Kettenliinge des Cellulose-Molekiils wurden friiher die verschiedensten Annahmen gemacht. Freudenbergll) nimmt an, da8 das l) vergl. Dissertation K. Frey, Zurich 1926.

2, 38. Mitt.: A. 480, 92 [1g30]. 3, vergl. R. Willstatter u. Zechnieister, B. 46, 2401 [1913]: t'ber die quantitative t;'berfiihrung von Cellulose in Glucose; vergl. weiter die Bemerkungen von R . Willstatter und Zechmeister, B. 62, 723 [~gzg]. ' ) vergl. I ( . Freudenberg, B. 64, 767 [1921], welcher nachwies, da13 Cellulose zu mehr als 60% aus Cellobiose aufgebaut ist.


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