𝔖 Bobbio Scriptorium
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Über die Zweckmäßigkeit, das Luftrecht als besondere Disziplin zu pflegen

✍ Scribed by Prof. Dr. K. W. Jurisch


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1903
Tongue
English
Weight
388 KB
Volume
16
Category
Article
ISSN
0044-8249

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✦ Synopsis


Uber die ZweckmllSigkeit, das Lnftrecht a h besondere Disziplin zn pflegen.1) Hochgcehrte Herren! Mit der Bezeichnung L u f t r e o h t '' kann man verschiedene Vorstellungen verbinden. Ein Luftrecht in staatsrechtlich-juristischer Auffassung ist noch in keinem Lande vorhanden. Dagegen erkennt man iiberall gewisse allgemeine Grundsatze an, wie z. B. das Anrecht jedes Menschen auf Atmungsluft, deren Geltung im Leben des Einzelnen wie im Leben der Gemeinschaft immer wieder erwieaen wird. Auflerdem besitzen die Kulturstaaten luftrechtliche Bestimmungen, welche iiber viele Gesetze und landesrechtliche Verordnungen verstreut sind. E n g l a n d hat seit 1863 in seinen Alkaligesetzen wirkliche Luftgesetze geschaffen. Diese Grundsiitze und gesetzliche Bestimmungen bilden in ihrer Gesamtheit das zur Zeit in einem Lande geltende Luftrecht. Aber hiermit ist der Inhalt des Luftrechtes noch nicht erschopft. Dexin unsere rasch fortschreitende Technik hat uns vor Aufgaben gestellt, wie z. B die rechtliche Behandlung der Druckluft und der fliissigen Luft und anderer Gase.

Fiir Aufgaben dieser Art miissen die formal-juristischen Behandlungsformen aus der Grundlage aller Rechtsvorstellungen: den Begriffen der Arbeit und des Eigentums erst entwickelt werden. Dementsprechend definieren wir das Luftrecht wie folgt: D a s L u f t r e c h t i s t d e r I n b e g r i f f a l l e r R e c h t s v o r s t e l l u n g e n , w e l c h e s i c h z w i s c h e n d e n i n G e m e i n s c h a f t l e b e nd e n M e n s c h e n i n B e z u g auf d i e L u f t , i n d e r s i e l e b e n , b e i uns u n d a n d e r e n Vijlkern h e r a u s g e b i l d e t h a b e n .

Diese Rechtsvorstellungen sind aus rein menschlichen, physiologischen, technischen und wirtschaftlichen Bedingungen hervorgegangen.

Zu ihrem vollen Verstiindnis, ihrer sachlichen Beurteilung und zu ihrer Weiterentwickelung ist daher auch Vertrautheit mit diesen Bedingungen erforderlich.