Über den blauen Farbstoff der Kornblume, I. Natürliche und synthetische Anthocyan-Metallkomplexe
✍ Scribed by Bayer, Ernst
- Publisher
- Wiley (John Wiley & Sons)
- Year
- 1958
- Tongue
- English
- Weight
- 532 KB
- Volume
- 91
- Category
- Article
- ISSN
- 0009-2940
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✦ Synopsis
BAYER 1115 ERNST BAYER uber den blauen Farbstoff der Kornblume, I Natiirliche und synthetische Anthocyan-Metallkomplexe Aus dem Institut fur Organische Chemie der Technischen Hochschule Karlsruhe und dem Forschungs-Institut fur Rebenzuchtung, Geilweilerhof uber Landau (Pfalz) (Eingegangen am 12. Marz 1958) Der cyaninhaltige blaue Farbstoff der Kornblume wurde isoliert und als Aluminium-Eisen-Komplex des Cyanins erkannt. Der nicht dialysierbare Komplex ist in saurem pH-Bereich stabil. Die Variation dey Blutenfarben wird allgemein auf Aluminium-und Eisenkomplexe zuruckgefuhrt, da nur diese Verbindungen zwischen PH 3.8 -5.5, dem PH der Bliitenblatter, stabil sind. Die synthetisch zuganglichen Aluminium-und Eisenkomplexe des Cyanins stimmen in ihrer Farbintensitat und pH-Stabilitat mit dem naturlichen Farbstoff uberein und sind somit die kunstlichen Modelle fur den Farbstoff der Blute.
Seit den grundlegenden Arbeiten uber Anthocyane von WILLSTATTER und Mitarbb.1' scheint es zum gesicherten Bestand der organischen Chemie der Naturfarbstoffe zu gehoren, daB die blauen, anthocyanhaltigen Bliitenfarbstoffe Alkalisalze der roten Anthocyane darstellen. Bekannt ist das Beispiel der Kornblume und Rose. In beiden Bliiten wird das gleiche Anthocyan, das Cyanin, aufgefunden. Aber in der Rose bewirkt das Cyanin eine rote Farbe, wahrend die Kornblume blau ist. Analog der Vor- stellung von WILLSTATTER~), die von P. KARRER und Mitarbb.2) experimentell gestiitzt wurde, findet man allgemein in den hhrbiichern der Organischen Chemie3-5) und der Botanik6-8) die Hypothese vertreten, daB in der Rose das rote Oxoniumsalz und in der Kornblume ein blaues Alkalisalz des Cyanins vorkornme.
Das Vorliegen von Alkalisalzen erfordert nun, da13 in der Kornblume das Anthocyan in einem alkalischen Milieu gelost ist, wahrend das Oxoniumsalz in der Rose hingegen in saurem Bereich vorkommen sollte. Auf diese Tatsache haben schon R. ROBINSON und G. M. ROBINSON9), sowie SHIBATA und Mitarbb.10) hingewiesen und gezeigt, daB