𝔖 Bobbio Scriptorium
✦   LIBER   ✦

Ökobilanzierung von nachwachsenden Rohstoffen am Beispiel “Palmöl”

✍ Scribed by Hirsinger, F. ;Knaut, J.


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1994
Weight
854 KB
Volume
96
Category
Article
ISSN
0931-5985

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


Okobilanzierung von nachwachsenden Rohstoffen am Beispiel ,,Palmol"* E H i r s i n g e r und J . K n a u t**, Henkel KGaA, Dusseldorf

Nachwachsende Rohstoffe konnen okologische Vorteile wie Regenerierbarkeit, Ressourcenschonung, unendliche Verfiigbarkeit und ge- gebenenfalls leichte Abbaubarkeit der Endprodukte sowie Stoffriickfiihrung mit sich bringen. In der offentlichen Diskussion werden die genannten Vorteile zunehmend okologisch hinterfragt: 1st der Bedarf an Diinger und Pflanzenschutzmitteln zu hoch? Miissen die durch den landwirtschaftlichen Anbau entstehenden Beeintriichtigungen des dkosystems wie Grundwasseremissionen oder Erosionsschiiden in Kauf genommen werden? Mit gewissen Einschrhkungen -das soziookonomische Umfeld wird nicht untersuchtenveist sich die Methode der dkobilanz als eine Untersuchungsmethode, um das okologische Geschehen in einem Gesamtzusammenhang zu sehen: sozusagen ,,von der Wiege bis zur Bahre". Es wird allerdings angemerkt, daO ihre Durchfiihrung nicht in allen Fallen einheitlich gehandhabt wird. So re- sultieren gerade bei der Okobilanz von nachwachsenden Rohstoffen erhebliche Differenzen aus der unterschiedlichen Bewertung landwirtschaftlicher Reststoffe. Der Begriff ,,Abfall" in landwirtschaftlichen und industriellen Systemen wird diskutiert. Am Beispiel der landwirtschaftlichen Produktion von Olpalmen und der Gewinnung von Palmol in Malaysia wird dargestellt, daE auf der Plantage und der dlmiihle ein nahezu geschlossenes Recyclingsystem besteht. In der Arbeit wird weiterhin der COz-Kreislauf in landwirtschaftlichen Systemen behandelt. 1. V o r b e m e r k u n g e n Die Firma Henkel hat seit Jahrzehnten eine starke Bindung zu nachwachsenden Rohstoffen, vorzugsweise d l e n und Fetten, sowie zu den aus ihnen hergestellten Oleochemikalien (Fettsauren, Fettsauremethylester, Glycerin, Fettalkohole) und oleochemischen Derivaten (Tenside). Die Produktionsanlagen -mehr als drei Dutzend weltweitzahlen zu den gro0ten Anlagen dieser Art. Wenn auch nicht in gleichem Umfang, so besteht ebenfalls betrachtliche Erfahrung in der Herstellung und Verarbeitung petrochemischer Tenside. Seit Jahren werden fur wesentliche Stoffgruppen der Oleochemie Rohstoffe, Verfahren und Prozeaketten quantitativ und qualitativ beschrieben. Diese Arbeiten munden jetzt in systematische Untersuchungen, die gemeinhin als Okobilanz und im Angelsachsischen als Cradle to Grave Analysis bzw. Life Cycle Assessment (bzw. Analysis, LCA) bezeichnet ~e r d e n l -~. Die vorliegende Studie beschreibt die Durchfuhrung einer LCA. Gleichfalls werden die Besonderheiten einer LCA von nachwachsenden Rohstoffen aus Schwellenund Entwicklungslandern aufgezeigt. Die Studie konzentriert sich hierbei auf Besonderheiten bei der Datenermittlung von nachwachsenden Rohstoffen, die Notwendigkeit von vor-Ort-Recherchen, das Problem der Generalisierung von Einzelergebnissen sowie auf grundsatzliche Unterschiede der chemisch-technologischen und der biologisch-landwirtschaftlichen Denkweise bei der Erarbeitung von LCA-Daten. Unsere Auffassung von den Stadien einer LCA bezieht sich auf die allgemein anerkannte Ansicht, da0 eine LCA * Vortrag anla6lich der 49. DGF-Jahrestagung in Karlsruhe am 1. September 1993.