Zur Frage der Mehrfachtumoren durch aromatische Amine und �ber die Prognose der beruf lich bedingten Blasentumoren
✍ Scribed by Reinl, Walter
- Publisher
- Springer-Verlag
- Year
- 1967
- Weight
- 1020 KB
- Volume
- 23
- Category
- Article
- ISSN
- 0367-9977
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✦ Synopsis
Eingegangen am 11. Februar 1967 Anlal~ zu dieser Arbeit ist die folgende Krankengeschichte eines Chemiearbeiters, die in einem besonderen Mal~e die Tragik eines Mannes mit einer beruflichen Exposition gegeniiber aromatischen Aminen enthfillt : P. O, geb. 1893, verstorben 25.9.64, war yon 1921, also vom 28. Lebensjahr an, in einer Farbenfabrik beschgftigt. Er war dort hauptsgchlich mit der tterstellung von Benzidinsalz und anderen Diphenylverbindungen, mit der Trennung yon Roh-Xylidin und spgter mit der Herstellung yon Vulkanisationsbesehleunigern beschgftigt. Die Arbeiter in der Herstellung yon Benzidin waren bisher mit einem hohen Blasentumorrisiko belastet, wghrend die Arbeiter in der Herstellung yon Vulkanisationsbesch]eunigern zwar zu dem grztlieh fiberwachten Personenkreis ge-hSren, ohne dab aber bisher ein derartiges Risiko bestgtigt werden konnte. O. hat 1921 eine Lungenentzfindung durehgemacht. Sonst war er nie ernsthaft krank. AnlgBlich einer betriebsgrztlichen Kontrolle am 27.11.33 wurden erstmals EiweiB im Urin und Erythroeyten im Urinsediment beobachtet. Die fo]gende Cystoskopie lieB als Ursache eine kirschgroBe gestielte, zottige Blasengeschwulst (wahrseheinlich Papillom; ,,BSsartigkeit nicht auszuschlieBen") in der oberen linken Blasengegend erkennen. AuBerdem land sich eine mgBige Prostatitis. Die Gesehwulst wurde durch Elektrokoagulation zerstSrt. In der Folge wurde 0. laufend urologisch beobachtet, wobei sich regelmgBig eine meist leichte chronische Cystitis und Prostatitis fand. Im Urin wurde neben einer gelegentlichen Proteinurie Erythrocyten und Leukocyten nachgewiesen. 1943 stellten sich zunehmend stgrkere Beschwerden ein. 1945 ergab sich der Verdacht auf eine bSsartige Neubildung im Bereieh des linken Prostatalappens. Bei der Operation im Januar 1946 wurde neben einer vergrSBerten Prostata eine groBe Blasengesehwulst gefunden, die bis in den BlasensehlieBmuskel reichte, so dab sie night vollstgndig entfernt werden konnte. Die histologische Untersuchung ergab einen ~bergangszellkrebs. Postoperativ kam es zu einem BlasenabszeB und einer Hoden-und Gliedschwellung. Die ~Nachbehandlung erfolgte dureh RSntgentiefenbestrahlung. Von dieser Zeit an wurde eine Rente nach der Berufskrankheitenverordnung gew~hrt und eine Minderung der Erwerbsfghigkeit yon 50 % angenommen. In der Folge land sich zungchst nur eine geringe Cystitis follicularis. O. selbst klagte damals fiber Narbenschmerzen, Impotenz und Schmerzen in der linken GroBzehe. In den ngehsten Jahren kam es zu