Wirksamkeit und Toxizität der Taxane: Therapie solider Tumoren
✍ Scribed by Hans-Peter Lipp; Carsten Bokemeyer
- Book ID
- 104508967
- Publisher
- John Wiley and Sons
- Year
- 2005
- Tongue
- German
- Weight
- 372 KB
- Volume
- 34
- Category
- Article
- ISSN
- 0048-3664
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✦ Synopsis
Abstract
Die Taxane Paclitaxel und Docetaxel haben inzwischen einen festen Stellenwert in der Behandlung des Ovarial‐, Bronchial‐, Mamma‐ und Prostatakarzinoms eingenommen, wobei sich – je nach Studienlage – die zugelassenen Indikationen voneinander unterscheiden.
Bei der Behandlung des Ovarialkarzinoms gilt die Kombination aus Paclitaxel und Carboplatin als Mittel der ersten Wahl, auch wenn der Einsatz von Doctaxel anstelle von Paclitaxel nach bisherigen Untersuchungen zu keiner verminderten Wirksamkeit führt. Vorteilhaft erscheint beim Docetaxel die Möglichkeit der rascheren Applizierbarkeit über eine Stunde und die einfachere Art der Prämedikation, da nur auf das Glucocorticoid Dexamethason zurückgegriffen wird. Hinsichtlich des Toxizitätsprofils ist zu beobachten, dass der Einsatz von Docetaxel mit ausgeprägteren Neutropenien verbunden ist. Allerdings steht mit G‐CSF diesbezüglich eine wirksame supportive Maßnahme zur Verfügung. Hingegen führt der Einsatz von Docetaxel gegenüber Paclitaxel seltener und weniger ausgeprägt zu peripher neurotoxischen Begleiterscheinungen. Somit könnte die Kombination Docetaxel/ Carboplatin vor allem dann bei der Behandlung des Ovarialkarzinoms von Interesse sein, wenn periphere Neuropathien den Einsatz einer Paclitaxel/Carboplatin‐Therapie begrenzen. Einzelfallberichten zufolge bilden sich beispielsweise Paclitaxel/Carboplatin‐assoziierte Grad‐II‐III‐Neuropathien wieder zurück, wenn auf Docetaxel/Carboplatin gewechselt wurde. Allerdings nehmen auch beim Docetaxel nach kumulativen Gesamtdosen über 600 mg/m^2^ i.v. die peripheren Neuropathien in Ausmaß und Schwere deutlich zu.
Für beide Taxane liegen inzwischen Studienergebnisse für die palliative, adjuvante und neoadjuvante Behandlung des Mammakarzinoms vor. Allerdings liegen bisher nur für das Docetaxel Ergebnisse vor, die sowohl in der Monotherapie als auch in der Kombinationstherapie eine Überlegenheit gegenüber einer konventionellen Anthrazyklin‐Therapie bei der Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms zeigen konnten. Auch in einer direkten Vergleichsstudie mit Docetaxel und Paclitaxel zeichneten sich Wirksamkeitsvorteile für das Docetaxel in der genannten Indikation ab, jedoch stehen bisher nur vorläufige Studienergebnisse zur Verfügung, so dass noch keine umfassende Interpretation der Ergebnisse möglich ist. Beide Taxane führen in der Kombination mit anderen definierten Wirkstoffen zu einer signifikanten Wirksamkeitssteigerung in der adjuvanten Therapie.
Ursprünglich sahen die Chemotherapie‐Protokolle vor, dass beide Taxane grundsätzlich alle drei Wochen verabreicht werden. Inzwischen mehren sich allerdings Hinweise, dass auch wöchentliche Gaben in modifizierter Dosierung möglich sind und insbesondere Vorteile in der Verträglichkeit mit sich bringen können. Darüber hinaus eröffnen sie teilweise die Möglichkeit der höheren Dosisintensität und damit vielleicht auch ein höheres Tumoransprechen. Allerdings kann sich durch die wöchentliche Gabe auch das Toxizitätsprofil des Taxans signifikant ändern, wie dies für Docetaxel im Rahmen einer direkten Vergleichsstudie deutlich wurde. So war das Ausmaß der Grad‐III/IV‐Neutropenie im Rahmen der wöchentlichen Gabe signifikant geringer, während es im Rahmen der wöchentlichen Gabe häufiger zu starkem Tränenfluss und Epistaxis (Nasenbluten) kam.
Was die bisherigen Optionen der Supportivtherapie betrifft, so lässt sich zweifelsohne die Neutropenie unter Docetaxel durch den Einsatz von G‐CSF gut beherrschen, während sich bisher noch kein Durchbruch zur Prophylaxe oder Therapie peripherer Neuropathien abzeichnet. Zwar bestehen erfolgversprechende Ansätze mit Wirkstoffen, die die NGF‐Expression beeinflussen können, wie z.B. Acetyl‐L‐Carnitin, jedoch sind noch eine Reihe von Studien notwendig, bis hierzu klare Empfehlungen ausgesprochen werden können. Dasselbe gilt für den symptomatischen Einsatz von Venlafaxin bei manifesten Neuropathien.
Zusammenfassend sollte in der klinischen Praxis zur Monotherapie oder Kombinations‐Chemotherapie dasjenige Taxan ausgewählt werden, das angesichts pharmakokinetischer und pharmakodynamischer Gesichtspunkte (z.B. bezüglich interaktiver Risiken), bisheriger Studienergebnisse und Zulassungskriterien, aber auch möglicher Vorteile in der Anwendung am besten auf die Bedürfnisse des Patienten und potentiell bestehenden Risikofaktoren zugeschnitten ist.
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