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Wer kommt als Vermittler zum Zuge?Überschätzte und unterschätzte Anforderungsfaktoren für Mediationstätigkeiten

✍ Scribed by Lionel Marquis; Gerald Schneider


Publisher
Swiss Political Science Association
Year
1996
Tongue
German
Weight
250 KB
Volume
2
Category
Article
ISSN
1420-3529

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✦ Synopsis


In der quantitativ orientierten Konfliktforschung wurde bis jetzt vorab untersucht, unter welchen Bedingungen Vermittlungsaktionen von Erfolg gekrönt sind. In diesem Aufsatz gehen wir hingegen den Kriterien nach, unter denen ein Staat überhaupt ein Mediationsmandat erhält. Aus schweizerischer Perspektive besonders interessant ist, dass neutrale Staaten unterdurchschnittlich häufig angefragt werden und, falls sie überhaupt einmal zu Zug kommen, auch nur eine relativ kümmerliche Bilanz vorweisen können. Die Überprüfung der Neutralitätshypothese bestätigt vielmehr, dass Macht und kulturelle Nähe die wichtigeren Faktoren im Anforderungsprofil für Vermittler sind. Multilaterale Mediationstätigkeiten scheinen zudem an Gewicht zu gewinnen.

Einleitung

Trotz einer unabsehbaren Publikationsfülle in Form von Memoiren und Erlebnisberichten ist nahezu unbekannt, 1 unter welchen Bedingungen ein Staat 1 Dieser Artikel beruht auf einem Gutachten, das unter dem Titel "Vermittlungsaktionen in militärischen Konflikten der Nachkriegszeit: Die relative Attraktivität der schweizerischen Guten Dienste im internationalen Vergleich" im Frühjahr 1996 entstanden ist. Auftraggeber für diese Ressortforschungsstudie waren die vom EDA und vom EMD gemeinsam geführte Arbeitsgruppe "Gute Dienste und internationale Friedenssicherung". Wir bedanken uns für die Möglichkeit, diesen Bericht für eine wissenschaftliche Publikation auswerten zu dürfen. Selbstverständlich handelt es sich hier um unsere persönlichen Schlussfolgerungen. Ebenfalls danken wir Jacob Bercovitch (University of Canterbury, Neuseeland) und Gary Goertz (University of Toronto), dass wir die von ihnen erhobenen Daten benutzen konnten. Cédric Dupont und Pascal Sciarini steuerten hilfreiche Kommentare zu einem ersten Entwurf bei, und Magdalena Bernath hat den Text stilistisch überarbeitet.

2 Für neuere Einführungen siehe etwa Bercovitch (1996). Aktuelle Forschungsresultate werden in einer demnächst erscheinenden Sondernummer von International Interactions präsentiert.

3 Wie eine makroquantitative Analyse ergab, bildet dieses Argument sogar einen der wichtigsten Faktoren, um den (negativen) Abstimmungsausgang zu erklären (siehe Marquis und Schneider 1996).