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Untersuchungen über verschiedene Bestimmungsmethoden der Cellulose

✍ Scribed by Dr. H. Suringar; B. Tollens


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1896
Tongue
English
Weight
753 KB
Volume
9
Category
Article
ISSN
0044-8249

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✦ Synopsis


Zu den bei der Untersuchung pflanzlicher Stoffe sich bietenden, schwer befriedigend zu lösenden Aufgaben gehört die q u a n t i t a t i v e Bestimmung der Cellulose, dieses Grundstoffes der Pflanzenzelle, -welcher nur vereinzelt fast rein, meistens jedoch gemengt oder verbunden mit sehr vielen anderen Substanzen in den Materialien, welche die Natur bietet, vorkommt.

Das Princip, auf welchem fast die sämmtlichen, bisher bekannt gewordenen CeIIulose-Bestimmungen beruhen, ist die geringe L ö s l i c h k e i t oder die Unlöslichk e i t der Cellulose in verschiedenen Lösungsmitteln oder Reagentien, welche die neben der Cellulose in den Naturproducten vorhandenen anderen Stoffe angreifen und fortführen; und man sucht bei den Cellulose-Bestimmungen aus gewogenen Mengen der betreffenden Materialien die nach Entfernung der Begleiter z u r ü c k b l e i b e n d e Cellulose rein zu gewinnen und zu wägen 1 ).

Dies zu erreichen, ist recht schwierig, weil die Begleiter der Cellulose den angewandten Lösungsmitteln und Reagentien ebenfalls beträchtlichen Widerstand entgegensetzen, und weil zuweilen die Cellulose und ihre Begleiter in ziemlich inniger Verbindung mit einander vorkommen.

Hier zeigt sich nun, dass häufig die Entfernung der fremden Substanzen nur unter gleichzeitiger Angreifung der Cellulose gelingt, so dass man weniger der letzteren erhält, als ursprünglich vorhanden gewesen ist. Lässt man die lösenden Agentien weniger energisch wirken, so bleibt die Cellulose unrein, und dies ist besonders dann der Fall, •wenn die Pflanzensubstanzen älter und die Zellwände stark "verholzt", d. h. mit "incrustirender Substanz" oder "Ligninsubstanz" erfüllt sind.

Gar manche Methoden der Cellulosebestimmung sind im Laufe der Zeit gegeben worden.

In älterer Zeit begnügte man sich mit dem Auskochen der Vegetabilien mit Wasser, *) Auszug aus der Göttinger Inaugural-Dissertation von Dr. Suringar, 1896.

') Versuche, die Cellulose mittels Kupferoxyd-Ammoniak zu lösen und nach Wiederausfällung zu bestimmen, haben bisher wenig Erfolg gehabt, weil die unreine Cellulose der Naturproducte sich in diesem Reagens schwer auflöst.

verdünnten Säuren, verdünnten Alkalien, Alkohol, Äther u. s. w., aber nur aus schon annähernd reinen Cellulose-Materialien lässt sich auf diese Weise reine Cellulose gewinnen und zwar nicht ohne Verlust (s. u.).

Von Henneberg 2 ) (damals in Weende bei Göttingen) ist diese Methode näher ausgebildet und als Theil der "Weender Methode der Analyse von Futterstoffen" angewandt worden. Henneberg hat jedoch sehr wohl erkannt, dass die so erhaltene Faser noch nicht rein ist, und sie deshalb nicht Cellulose, sondern "Rohfaser" genannt.

Man führt die "Rohfaser-Bestimmung" bekanntlich aus, indem man etwa 3 g Substanz 1 Z 3 Stunde lang mit 200 cc l'/ 4 proc. Schwefelsäure 3 ), dann 2 mal je 1 ^ Stunde mit 200 cc Wasser, hierauf auf dieselbe Weise mit 200 cc l^proc. Kalilauge 3 ) und 2mal mit 200 cc Wasser kocht, dann mit Wasser,' Alkohol, Äther auswäscht, trocknet, wägt, verascht und die Asche abzieht.

Zur Erleichterung der Ausführung dieser Methode empfahl Wattenberg 4 ) den Gebrauch von Porzellanschalen mit blauem Rande im Innern, wodurch man den Raum von 200 cc bequem beim Kochen einhalten kann.

Holdefleiss 5 ) gab eine Modification an, bei welcher nicht auf freiem Feuer, sondern mit Dampf in birnförmigen Glasgefässen gekocht wird, und Stift 6 ) hat den Apparat hierzu noch etwas verändert. In Amerika wird die Rohfaser-Bestimmung in Kochflaschen am Rückflusskühler ausgeführt.

Baumert') und Aitken 8 ) endlich empfehlen ganz neuerdings warm, die Erhitzung nicht durch Kochen auf einer Flamme, sondern im Wasserbade vorzunehmen.

Dass diese "Rohfaser" nicht reine Cellulose ist, sieht man schon aus ihrem Verhalten gegen die Reagentien, welche die verholzte oder l i g n i n h a l t i g e Pfanzenz e l l e färben, speciell gegen das jetzt allgemein benutzte Lignin-Reagens, eine Lösung von Phloroglucin in einem Gemenge g l e i c h e r V o l u m i n a S a l z s ä u r e von


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