Todes-Anzeige
โ Scribed by H. C. Vogel
- Book ID
- 101669903
- Publisher
- John Wiley and Sons
- Year
- 1891
- Tongue
- English
- Weight
- 117 KB
- Volume
- 126
- Category
- Article
- ISSN
- 0004-6337
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โฆ Synopsis
A m 3. December 1890 starb zu Koln im hohen Alter von nahe 87 Jahren der Wirkliche Geheimerath Dr. Gottfried Ludolph Camphausen. Am 1 0 . Januar 1 8 0 3 zu Hunshoven bei Aachen geboren, erhielt Camp- hausen auf dem Gymnasium zu Weilburg rind auf den Handelsschulen zu Rheydt und Burg die Grundlagen seiner wissenschaftlichen und kaufminnischen Ausbildung. Irn Jahre I 8 2 5 grUndete er, in Gemeinschaft mit seinem alteren Bruder, ein noch bliihendes Bankgeschaft in Koln. Durch seine eifrige, verstiindnissvolle Betheiligung an gemeinnutzigen Interessen und Untttrnehmungen -rheinische Dampfschleppschifffahrt, ausschliesslich seine Schopfung, Bau der ersten Eisenbahnenwurde seine Bedeutung bald auch in weiteren Kreisen erkannt.
Es ist nicht moglich, auch nicht itn entferntesten beabsichtigt, hier in Klirze einen Begriff von dem vielseitigen Wirken und vor allern von der hohen politischen Bedeutsamkeit dieses ausserordetltlichen Mannes, der in bewegter Zeit an der einflussreichsten Stelle in Preussen und Deutschland gestanden hat, geben zu wollen, nur einige bedeutsame Punkte seines Lebens mogen in Erinnerung gebracht werden.
1 8 4 3 uwrde Camphausen in den rheinischen Provinzial-Landtag und 1847 in den vereinigten Landtag gewahlt. Am 29. Marz 1 8 4 8 wurde er zur Bildung eines neuen Ministeriums berufen; der von ihni mit David Hansemann ausgearbeitete Verfassungsentwurf erlangte aber nicht den Beifall des damals herrschenden Radicalismus, und Camphausen nahni deshalb bereits am 2 0 . Juni desselben Jahres seine Entlassung, betheiligte sich jedoch bis Ende 1849 noch eifrig am politischen Leben als Bevollmachtigter Preussens in Frankfurt und als Urheber der wichtigen Circularnote vom 23. Januar 1849. Bis 1851 gehorte er der preussischen ersten Kanimer an und machte noch einmal in der Session 1849-50 seine vermittelnde Politik mit Erfolg geltend. Nach seinem Rucktritt aus dem Staatsdienste trat er zunachst in seinen friiheren Wirkungskreis, in das Bankhaus A. u. L. Camphausen, wieder ein, zog sich dann aber in's Privatleben zuruck. Erst von diesem Zeitpunkte an begann Camphausen seine astronomischen Arbeiten, die weit iiber das gewohnliche Maass dessen, was ein Liebhaber der Wissenschaft leistet, hinausgehen und ihm ein unvergangliches Andenken in der Astronomie sichern.
Zwar nur Weniges von seinen astronomischen Untersuchungen hat Camphausen viroffentlicht ; aber diese wenigen Arbeiten lassen iiberall den scharf denkenden und geiibten Mathematiker erkennen, der in seiner am Rhein, dem Siebengebirge gegeniiber gelegenen Privatsternwarte zu Rungsdorf seine Lieblingsbeschaftigung nicht als Laie, sondern als Gelehrter betrieb. Auch ausserlich hat diese Thatigkeit die verdiente Anerkennung gefunden, indem Camphausen am I 6. October I 860 aus Anlass der fiinfzigjiihrigen Jubelfeier der Universitiit Berlin zum Doctor honoris causa promovirt wurde.
Ganz besonderes Interesse nahm Camphausen an der Entwicklung der -4strophysik. Er war nicht nur bemiiht, durch sorgfaltige eigne Beobachtungen dieses Wissensgebiet zu bereichern, sondern auch gliicklich in der Zusammenstellung und Verbesserung von Apparaten, tind die grosse Ausdauer, die er oft dabei an den Tag legte, war bewundernswerth. Seine Unterhaltung auf wissenschaftlichem Gebiete wirkte in hohein Maasse anregend, nicht nur durch die Hegeisterung fur die Sache, die aus seinen Worten entgegentrat, sondern auch durch die Eigenartigkeit und l'iefe, nrit der er alles auffasste und weiter fuhrte. Obgleich er in den letzten Jahren seines Lebens seine Sternwarte our selten besuchen konnte, um selbst Beobachtungen auszufiihren, hat er bis zuletzt regsten Antheil genommen an den neuesten Errungenschaften, welche die Astronomie und Astrophysik durch die Anwendung der Photographie gemacht haben.
Bekannt sind seine Abhandlungen uber die Erweiterung des Douwes'schen Problems, liber die Theorie der Cylinderlinse in Verbindung mit einem geradsichtigen Prisma und ilber die Verwendung des Objectivprismas in Verbindung mit einem Spaltspectroskope zur Beobachtung des Sonnenrandes.
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