Rezension: Die Herausbildung des Reflexbegriffs im 17. und 18. Jahrhundert von Georges Canguilhem
✍ Scribed by Frank Stahnisch
- Publisher
- John Wiley and Sons
- Year
- 2009
- Tongue
- German
- Weight
- 147 KB
- Volume
- 32
- Category
- Article
- ISSN
- 0170-6233
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✦ Synopsis
Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 32 (2009): Rezensionen des, wie dessen ältere Bezeichnung "Convenerunt in unum" ("sie versammelten sich in einem") belegen soll.
Sowohl Regiomontans geheime Botschaft, als auch die Entsprechungen zwischen Epigramm und Bild wurden als erstes von Berthold Holzschuh entdeckt, durch King aber neu interpretiert. Anders als Holzschuh meint King, dass die Hinweise auf das Gemälde nicht absichtlich ins Epigramm eingebaut wurden. Regiomontan habe die Verse über die beiden Astrolabien verfasst und sie Bessarion zu entziffern gegeben. Erst dann seien der Kardinal und der Astronom auf andere Wörter aufmerksam geworden, die völlig unbeabsichtigt in die vier Zeilen eingeflochten worden waren. Es waren Namen von Bessarions gestorbenen Freunden und lebendigen Feinden, von christlichen und heidnischen Gottheiten. Diese Entdeckung habe Bessarion dazu bewegt, Piero della Francesca mit einem Gemälde zu beauftragen, dessen Inhalt und Struktur der zweiten, unbeabsichtigten, geheimen Bedeutungsschicht des Epigramms entsprechen sollten. So hätte ein produktiver, nichtlinear lesen-der Blick aus dem Epigramm neue Bedeutung geschöpft, um sie dann in ein heiliges Bild zu übertragen.
Dieser sehr interessante Aspekt des Geschehens wird allerdings vom Autor immer nur als ein "Spiel" ("game") bezeichnet, von dem Bessarion, Regiomontan und möglicherweise auch Piero fasziniert waren. King verweist zwar auf Daniel P. Walkers Studien zu esoterischen Symbolen und deren philosophische und theologische Bedeutung, verfolgt aber das Thema in seinem Spezialfall nicht weiter. Gleichwohl wirkt Kings Rekonstruktion auch deswegen anziehend, weil sie die Frage des philosophisch-religiösen, eventuell mystischen Kontexts aufwirft, in dem Bessarion, Regiomontan und -vielleicht -Piero eine für uns rein zufällige Buchstaben-Konstellation zum Anlass einer einmaligen, kostspieligen und künstlerischen Schöpfung genommen haben könnten. Diese Frage näher zu erörtern könnte nicht nur Kings These stärken, sondern auch neue Einblicke in die Welt des Quattrocento ermöglichen.
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