Normung der Zukunft – Zukunft der Normen
✍ Scribed by Karl Morgen
- Publisher
- John Wiley and Sons
- Year
- 2009
- Tongue
- German
- Weight
- 62 KB
- Volume
- 104
- Category
- Article
- ISSN
- 0005-9900
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✦ Synopsis
Das vorliegende Heft befasst sich intensiv mit Fragen der Normung und auch mit deren Schwierigkeiten in der praktischen Anwendung. Professor Sigrist geht in seinem Beitrag "Normen für den konstruktiven Ingenieurbau" auf die europäischen Randbedingungen für die Normenarbeit ein und skizziert die Anforderungen für eine zukünftige Normenarbeit. Er stellt fest: "Auf keinen Fall sind Normen dafür gedacht, die neuesten Forschungsergebnisse darzustellen. Auch dienen Normen nicht der Ausbildung. Normen repräsentieren in erster Linie die anerkannten Regeln sowie den Stand von Wissenschaft und Technik im jeweiligen Fachgebiet. Normen dienen aber auch -was nicht unwesentlich ist -der Verständigung und sie sollen konsistent und prägnant sein." I have a dream -auch ich träume, dass es mit vereinten Kräften gelingen müsste, die Normung auf ein sinnvolles Maß und einen ingenieurmäßig brauchbaren Inhalt zurückschrauben zu können. Dies ist sicherlich ein längerer Prozess und bedarf eines großen ideellen, aber auch finanziellen Engagements. Der Traum ist, dass wir die Bemessungsnormen des Ingenieurbaus (und nur die!) in eigener Verantwortung durch die beratenden, planenden und prüfenden Ingenieure unter dem Dach eines großen Ingenieurverbands, wie z. B. des VBI, erstellen, selbstverständlich unter Einbeziehung der Bauaufsicht, der Bauindustrie und der Wissenschaft. Ein solches Projekt braucht organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen und eine sowohl bauaufsichtliche als auch europarechtliche Akzeptanz. Diese zu erarbeiten, aber auch Alternativen zu dieser Idee zu entwickeln, ist Ziel eines vom VBI und der BVPI angestoßenen Forschungsantrags im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau. Dieser wurde zwischenzeitlich bewilligt und soll durch eine Forschungsgruppe, bestehend aus den Herren Professor Sigrist, TU Hamburg-Harburg, und Professor Ziegler, RWTH Aachen, erarbeitet werden. Insbesondere Professor Sigrist verfügt über einschlägige Erfahrungen aus seiner Mitarbeit bei der Erstellung der schweizerischen neuen Normengeneration, bekannt unter dem Schlagwort "SWISS-Code". Der VBI, vertreten durch Herrn Dr. Cornelius, und die BVPI, vertreten durch den Unterzeichner, werden die Projektleitung (ehrenamtlich) ergänzen, um den Praxisbezug sicherzustellen. Ein Beirat bestehend aus Mitarbeitern von Behörden, des DIN und der Bauwirtschaft soll das Projekt begleiten. Noch einmal Sigrist: "Das Erarbeiten von Normen ist eine wichtige und vornehme Aufgabe, die von den damit betrauten Fachleuten nicht nebenher wahrgenommen werden kann." Das heißt, die Normenarbeit muss professionalisiert werden und die Ingenieure, die die Normenarbeit leisten, müssen zumindest teilweise bezahlt werden. Schon jetzt wäre es höchst sinnvoll und notwendig, die Arbeiten am neu entstehenden fib Model Code durch Praktiker zu begleiten und dafür gezielt gute Ingenieure mit langjähriger Erfahrung aus Ingenieurbüros und Baufirmen abzustellen. Ein Blick auf die Liste der Bearbeiter im Aufsatz von Sigrist zeigt: nur Hochschulvertreter! Dies alles erfordert finanzielle Mittel, die derzeit nicht zur Verfügung stehen. Um die künftige Normenarbeit mit professionellen Mitabeitern aus der Praxis aktiv mitgestalten zu können, müssen entsprechende Budgets zur Verfügung gestellt werden. Nach einem ersten Überschlag sind hierfür rund 100 Euro pro Ingenieur und Jahr erforderlich. Angesichts der hohen Folgekosten von nicht praxisgerechten Normen ist dies ein insgesamt überschaubarer Betrag für jedes Ingenieurunternehmen. Der Unterzeichner wiederholt daher seine Aufforderung, das Vorhaben "praxisgerechte Normung" finanziell zu unterstützen und dem Aufruf der beiden Verbände VBI und BVPI, 100 Euro pro Inhaber und Mitarbeiter für die Normenarbeit auf ein Sonderkonto zu spenden, Folge zu leisten. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir bereit sein, auch etwas dafür zu tun. Dann kann ein praxistaugliches, konsistentes, auf dem Stand der Technik befindliches und lesbares Normenwerk vom Traum zur Wirklichkeit werden. Yes we can!
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