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Neue Ergebnisse über Geschlechtsunterschiede in der Häufigkeit von Knochenverletzungen in urgeschichtlichem und historischem Skelettmaterial

✍ Scribed by Grimm, H.


Publisher
Wiley (John Wiley & Sons)
Year
1973
Weight
593 KB
Volume
15
Category
Article
ISSN
0006-3452

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✦ Synopsis


Im Jahre 1969 legte A. MOHR-SIEDENTOPF in ihrer Dissertation uber die HBufigkeit und Lokalisation von Frakturen und Verletzungen am Skelett-vor-und fruhgeschichtlicher Menschengruppen einen Katalog moglichst vieler in der Literatur mitgeteilter Knochenverletzungen an menschlichen Skelettresten vor. Wir gingen damit ab von dem Gebrauch medizinhistorischer Lehrbucher und selbst palitopathologischer Sammelwerke, lediglich einzelne Beispiele anzufiihren. Erst ein umfassendes Material ermoglicht Betrachtungen iiber besonders gefiihrdete Korperstellen, uber den Wechsel der Lokalisation unter hderungen der Lebensweise bzw. Wirtschafts-und Gesehchaftsform, uber die Rechts-Links-Verteilung (Laterisation) und die Verteilung auf die Geschlechter.

Unter den rund 650 ,,Fitlle" umfassenden Notizen fanden sich 199 ,,Fiille", in denen die Voruntersucher eine Geschlechtsdiagnose mitgeteilt hatten. Es konnte gezeigt werden, daS die Verletzungsspuren jeder Art an den grazileren Skelettresten weiblicher Individuen seltener festgestellt wurden als an den robusteren Knochen von Miinnern. Von der Knochenfestigkeit gegenuber Gewalteinwirkungen her hBtte das Gegenteil erwartet werden konnen ! MOHR wiihlte eine Darstellung, die den bestimmbaren Anteil von mgnnlichen und weiblichen Individuen an der Gesamtzahl der Belege aus den verschiedenen Kulturperioden aufzeichnet . Der Vorteil schien darin zu liegen, daB gewisser-maBen die Herausdifferenzierung von Geschlechtseigentumlichkeiten aus einer ,,Grundgesamtheit" zu verfolgen ist.

Die Konfidenzbereiche der prozentualen Hiiufigkeit trennen sich in ihrer Darstellung erst in der Volkerwanderungszeit (nach der ,,Romerzeit"), doch ist der Trend zur absinkenden HBufigkeit beim weiblichen Geschlecht von der mittleren Steinzeit (Mesolithikum) ab erkennbar (GRIMM und MOHR-SIEDENTOPF). Dieser Trend mag die Herausbildung eines Sexualdimorphismus (groBere Zierlichkeit der Miidchen und Frauen) fordern; er durfte auf Grund gese&chaftlicher Einflusse (Arbeitsteilung usw.) zustande gekommen sein. i Frau Prof. Dr. Dr. h. c. EENA WEBEB zur Vollendung des 75. Lebensjahres gewidmet.