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Natur und Staat. oder: Was lernen wir aus den Prinzipien der Deszendenztheorie in Beziehung auf die innerpolitische Entwicklung und Gesetzgebung der Staaten?

✍ Scribed by Prof. Dr. phil. Dr. med. Rolf Winau


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1983
Tongue
German
Weight
774 KB
Volume
6
Category
Article
ISSN
0170-6233

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


Natut und

Staat oder: Was lernen wir aus L,n Prinzipien der Deszendenztheorie in Beziehung auf die innerpolitische Entwicklung und Gesetzgebung der Staaten? * Summary: ,,What do the principles of evolutionary theory teach us in respect of the inner development and legislation of commonwealths? " This was the subject set by three professors, Haeckel, Conrad, and Fraas, for a competition financed by Krupp in 1900. Sixty entries were submitted, eight of which received prizes and were published in the series ,,Natur und Staat". The present article scrutinizes in the main those entries that, unlike Wilhelm Schallmayer's Vererbung und Auslese im Leben der Volker, did not become better known by going through several printings. The studies by Heinrich Matzat, Phibsophie der Anpassung, by Albert Hesse, Natur und Gesellschaft, and Arthur Ruppin, Darwinismus und Sozialwissenschaft, all of which received second prizes, come under this heading. Because they throw light on the wide range of Social Darwinism at the beginning of the 20th century, Alfred Methner's tract Organismen und Staaten and Walter Haecker's Die ererbten Anlagen und die Bemessung ihres Wertes fiir &s politische Leben

are also commented upon. The analysis does not yield an unified picture of Social Darwinism but shows common traits like the opinion that common wealth must precede private interest, that man's decisions are determined by scientific knowledge, that the endangered hereditary potential had to be safeguarded by state intervention. The discussion about these problems began in that period and lead to a basic consensus at the time of the Weimar republic with its fatal consequences.

Schliisselworter: Biologismus, Danvinismus, Sozialdarwinismus ; XX Jh. Nach allem was wir von den friihsten Zeiten menschlicher Existenz auf der Erde wissen, sind wir zu der Annahme berechtigt, dai3 auch der Mensch weder als eine gewappnete Minerva aus dem Haupte des Jupiter hervorgesprungen, noch als ein erwachsener siindenfreier Adam aus der Hand des Schopfers hervorgegangen ist, sondern sich nur aderst langsam und allmihlich aus dem primitiven Zustande tierischer Rohheit zu den ersten, einfachen Anfangen der Kultur emporgearbeitet hat. [. . .] Das Gesetz des Fortschritts finden wu dann weiterhin in der historischen Entwicklung des Menschengeschlechts iiberall wirksam. Ganz natiirlich! Denn auch in den biirgerlichen und geseaen Verhdtnissen sind es dieselben Rinzipien, der Kampf urn das Dasein und die natiirliehe Ziichtung, welche die Voker unwiderstehlich vorwwstreiben und stufenweise zu hoherer Kultur emporheben. [. . .] Denn dieser Fortschritt ist ein Naturgesetz, welches keine menschliche Gewalt, weder Tyrannenwaffen, noch Priesterfliiche, jemals dauernd zu unterdriicken vermogen. Dieses Zitat' verrat in Wortwahl und Stil seinen Autor: Ernst Haeckel. Auf der Natur-* Vortrag gehalten auf dem XX. Symposion der Gesellschaft fur Wissenschaftsgeschichte, ,,Reaktionen auf naturwissenschaftliche Konzepte und Ideen in anderen Wissenschaften des 19. Jahrhunderts", in Aachen, 20.-22. Mai 1982.