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Mikroökologische Regulationsprinzipien der menschlichen Gastrointestinalflora

✍ Scribed by Bernhardt, H.


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1987
Tongue
English
Weight
388 KB
Volume
31
Category
Article
ISSN
0027-769X

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✦ Synopsis


Im Laufe der Koevolution von Mensch und Mikroorganismen miissen vom Makroorganismus Mechanismen entwickelt worden sein, die eine qualitative und quantitative Regelung seiner Besiedlung durch Mikroorganismen erlauben. Die Limitation des mikrobiellen Wachstums erfolgt an den einzelnen Standorten durch verschiedene Faktoren. Zu den speziellen Siedlungsvorgangen gehort die Haftfahigkeit der Mikroorganismen. Fallen Regelfaktoren aus, setzt eine ungehemmte Entwicklung der Mikroorganismen ein. Wirtsfaktoren fuhren nur zum Teil zur Abtotung der Mikroorganismen. Mikroorganismen verfiigen iiber Signalrezeptoren, die eine Adaptation an eine Milieuanderung ermoglichen. Wenn eine Wachstums-und Vermehrungsstrategie nicht moglich ist, gehen sie zu einer Uberlebensstrategie iiber. Es ist sehr wahrscheinlich, da13 diese allgemeinen mikrobiologischen Prinzipien auch im Gastrointestinaltrakt gelten. Die Evolution des Menschen erfolgt als Koevolution mit seinen mikrobiellen Populationen. An den verschiedenen Siedlungsorten haben sich in der Phylogenese mikrobielle Okosysteme herausgebildet, die sich in der Ontogenese stets aufs Neue entwickeln [ 131. Das Resultat dieser Koevolution ist die normale Besiedlung. Zwischen der Population Mensch und den Mikroorganismenpopulationen hat sich ein Wechselverhaltnis in der Weise gestaltet, daD ein Gleichgewicht entstanden ist. Es wird weder die Gesamtpopulation des Makroorganismus durch die Mikroorganismen vernichtet, noch existieren naturlicherweise keimfreie Makroorganismen. Pathogene Mikroorganismen stellen in diesem Zusammenhang einen Sonderfall dar . Dieses Gleichgewicht wird durch allgemeine und spezielle Milieufaktoren eingestellt.

HAENEL hat in den 50er Jahren versucht, eine statistische Norm fur dieses Gleichgewicht zu finden und zu definieren. Er nannte diesen Zustand Eubiose in Analogie zu SCHEUNERTS Begriff Dysbiose. Kritisch bemerkte er dam in der Diskussion auf dem 111. Greifswalder . Symposium 198 1, daD er sich beziiglich des heutigen Gebrauches des Begriffes auf dem Glatteis fuhle und es notwendig sei, sich daruber noch zu verstandigen.

Unter Einwirkung der Regelfaktoren ergibt sich eine bestimmte Verteilung der Mikroorganismen im Digestionstrakt. Orte mit der uppigsten mikrobiellen Besiedlung sind der Anfang und das Ende, also die Mundhohle (Sulcus gingivalis und dentale Plaque) und der Dickdarm. Die Keimdichte ist etwa die gleiche, auch die Relation der Anaerobier zu den Aerobiern betragt 100-1000: 1.

Diese mikrobielle Flora wird durch okologisch gunstige, z. T. optimale Bedingungen erreicht. Dam gehoren das Nahrstoffangebot, Temperatur, eingeschrankte Abwehr-


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