Ionenbildung durch Strom? : Eine an Schülervorstellungen orientierte und chemiegeschichtlich motivierte Unterrichtskonzeption
✍ Scribed by Annette Marohn
- Publisher
- John Wiley and Sons
- Year
- 2008
- Weight
- 333 KB
- Volume
- 15
- Category
- Article
- ISSN
- 0944-5846
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✦ Synopsis
Abstract
Schüler: „Ganz so blöd sind wir wohl doch nicht, wenn die Chemiker das damals auch nicht verstanden haben.”︁
Schülerin: „Wir sind aber über 100 Jahre weiter als die.”︁
Schüler: „Tja, es kann eben nicht jeder ein Arrhenius sein!”︁
(Dialog nach der Beschäftigung mit historischen Zitaten zur Arrheniusschen Ionenhypothese, in denen die Schüler ihre eigenen Vorstellungen wieder erkannten.)
Schülervorstellungen können überzeugend und gut begründet sein – allerdings sind sie zumeist auch schwer zu fassen und ausgesprochen widerstandsfähig gegenüber Veränderungen. Es fehlen Hilfen, wie Schülervorstellungen erkannt und in den Unterricht einbezogen werden können. Der Artikel beschreibt ein Unterrichtsverfahren, das nicht darauf abzielt, das Auftreten von Schülervorstellungen zu verhindern, sondern diese bewusst in den Unterricht einbezieht. Als Basis des Verfahrens dienen zwei empirische Studien, in denen die am häufigsten auftretenden Vorstellungen zu verschiedenen Themengebieten der Chemie erforscht wurden. Die im Rahmen der Studien entwickelten Aufgaben erhalten im Verlauf des Unterrichtsverfahrens zweierlei Funktion: Zum einen werden sie als Diagnoseinstrument eingesetzt, um Vorstellungen der eigenen Lerngruppe zu erforschen. Zum anderen dienen sie Schülern als Lernaufgaben, um sich eigener Vorstellungen bewusst zu werden und diese im Rahmen diskursiver und durch Lernmaterialien geleiteter Prozesse in Richtung der wissenschaftlich gültigen Vorstellungen weiter zu entwickeln. Der Artikel konzentriert sich auf Vorstellungen von Schülern über die Vorgänge in einfachen elektrolytischen Zellen und die Existenz von Ionen in wässrigen Lösungen. Er diskutiert mögliche Gründe für die beschriebenen Vorstellungen und zeigt als Besonderheit eine unmittelbare Parallele zu chemiegeschichtlichen Konzepten auf. Die historische Parallele führt zu einer Variation des Verfahrens: Sie dient als Motivation, die chemiegeschichtlichen Vorstellungen aus heutiger Sicht zu widerlegen und bewirkt damit implizit eine Festigung moderner wissenschaftlicher Konzepte.