𝔖 Bobbio Scriptorium
✦   LIBER   ✦

Hundert Prozent

✍ Scribed by Manfred Curbach


Book ID
101703465
Publisher
John Wiley and Sons
Year
2006
Tongue
German
Weight
71 KB
Volume
101
Category
Article
ISSN
0005-9900

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


Von verschiedenen Seiten wird angemerkt, daß es bei der Herstellung von Brücken immer öfter zu qualitativen Problemen kommt. Das verwundert nicht -gibt es doch einen direkten Zusammenhang zwischen der Qualität und den Honoraren für die Beratenden Ingenieure, die diese für ihre Planungsleistungen erhalten. Mittlerweile ist der Preiskampf um den Erhalt von Aufträgen auf ein Niveau gefallen, das mit der HOAI absolut nichts mehr zu tun hat. Angebote für weniger als 50 % des HOAI-Niveaus sind keine Seltenheit mehr. Wenn man davon ausgeht, daß die Werte der Honorarordnung für eine verantwortungsbewuße Planung notwendig sind, bedeutet dies im Klartext: Um die Kosten eines Büros tragen zu können, muß ein Beratender Ingenieur jeweils zwei Bauwerke parallel bearbeiten und kann sich auch nur entsprechend mit halber Kraft den beiden Projekten widmen. Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, an dem alle am Baugeschehen Beteiligten ihren Teil an Verantwortung tragenauch die Ingenieure. Aber es leiden auch alle Beteiligten unter dieser Entwicklung -zumindest, wenn man langfristig denkt. Deswegen sollten sich Bauherren, Baufirmen und Beratende Ingenieure neu besinnen und für die Planungsleistungen die vollen Honorare nach HOAI in Ansatz bringen. Die Vorteile lassen sich nicht in Geld aufwiegen: Die Bauherren, und damit die Gesellschaft, erhalten Bauwerke, die im Hinblick auf die gewünschte Qualität, die Standsicherheit, die Gebrauchstauglichkeit und die Dauerhaltigkeit den Ansprüchen genügen, die alle Menschen, alle Nutzer an sie stellen. Die Gesamtbaukosten steigen durch diese Maßnahme um ca. 2 %, eine Steigerung, die im Vergleich zu dem Gewinn an Qualität marginal ist und die der Bauherr, in den meisten Fällen der Staat und damit letztlich wir, gerne bezahlen sollte. Für die Baufirmen sind die Honorare innerhalb ihrer Kalkulation ein "Durchlaufposten" (oder sollten es zumindest sein), so daß es im Preiswettbewerb um den Erhalt eines Auftrages keinerlei Auswirkungen hätte. Im Gegenteil: die Baufirmen könnten sicher sein, daß sie für ihren Auftrag, eine Brücke zu bauen, die bestmögliche Beratung bekommen, was sich in jedem Fall, das heißt auch im Hinblick auf die Kosten, für sie positiv auswirkt. Die Beratenden Ingenieure bekämen ein auskömmliches Honorar, das es ihnen ermöglicht, ihre Verantwortung für ein Bauwerk in einer Weise wahrzunehmen, die dem Selbstverständnis des Ingenieurs entspricht. Der Wettbewerb unter den Beratenden Ingenieuren über den Preis, um einen Auftrag zu bekommen, würde durch einen Wettbewerb über die Leistung abgelöst. Und jeder Beratende Ingenieur dürfte das Selbstbewußtsein besitzen, daß er für ein auskömmliches Honorar eine hervorragende Leistung zu liefern in der Lage ist. Ich appelliere deshalb an alle im Brückenbau Tätigen, diesem Vorschlag zu folgen. Nur wenn sich wirklich alle ihrer Verantwortung stellen und sich der Vorteile bewußt sind, haben wir die Chance, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Wir sollten uns fragen, warum wir nicht heute damit beginnen, auf diese Weise fairer miteinander umzugehen, zumal es ein Vorgehen wäre, das absolut keine Nachteile aufweist. Durch eine derartige gemeinsame Aktion würden wir alle auch etwas für das Ansehen unseres Berufsstandes und unserer Arbeit tun, die letztlich im Dienste der Sicherheit unserer Bauwerke steht. Auch wenn es bei den hier entwickelten Gedanken nur um Brücken ging, sind nicht nur Brückenbauer gemeint. Wenn dieser überschaubare Kreis einen Anfang machen würde und man sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen könnte, wäre das ein Vorbild auch für alle anderen am Baugeschehen Beteiligten, sich ebenfalls der enormen Vorteile bewußt zu werden und sich dem anzuschließen. Denn nur wer hundert Prozent seiner Leistung bezahlt bekommt, kann hundertprozentig arbeiten.


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