Hat der Begriff der „Leitungsstörung“ in der Hirnpathologie noch eine Berechtigung?
✍ Scribed by K. Conrad
- Publisher
- Springer-Verlag
- Year
- 1953
- Tongue
- English
- Weight
- 366 KB
- Volume
- 190
- Category
- Article
- ISSN
- 1433-8491
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✦ Synopsis
LEONttARD versuchte den Nachweis zu ffihren, dab es sich bei dcr GesamtstSrung eines Falles yon reiner Agraphie und konstruktiver Apraxie um den Ausdruck cincr ,,LcitungsstSrung" h~ndclc. Seine Argumentation war ctwa die folgende: Wenn die Patientin zwar Figuren erkennen, nicht aber nachzeichnen oder nachlegen kann, scheint der,,Weg" zur optischcn Sphi~rc des Occipitallappcns durchg/ingig, der Wcg yon hier Bus zur haptisch-riiumlichen Sphi~re des Scheitcllappens aber blokkiert zu sein. Wcnn die Patientin nicht schreiben kann, so deshalb, weft zum Schrcibcn das optische Bfld dcr Wortfigur n5tig sei, das zwar im Occipitallappen entstehcn, wcgen der Leitungsunterbrcchung abcr nicht in den Schcitcllappen gelangen konntc, wo es ffir die Ausfiihrung dcr Schriftfigur zur Verffigung stehen miisse. Wenn sie hingcgen Zah]en doch wieder rasch zu schreiben lernte, so deshalb, weft fiir das Zahlenschreiben das akustische Bild gcnfige und die Leitung yon der akustischen zur haptisch-rimmlichen Sphiire erhalten war. Eine Bestiitigung dieser Auffassung wird auch darin gesehen, daft die Verbindung ebenso riickl/iufig unterbrochen zu sein schien, was daraus hervorgehe, dal~ etwa dem Arm der Patientin passiv erteilte Bewegungsfiguren yon ihr nicht erkannt wurden, weil eben auch vom Motorischen ins Optische nicht mehr ,,geleitet" wurde. Aus dem gleichen Grunde konnten auf die Haut geschriebene Ziffern nicht mehr gelesen werden, obwohl sonst keine Sensibilit~ts-stSrungen bestanden, konnten gewisse Gegensti~nde yon ungewohnter Kleinheit (Puppenkiiehe) stcreognostisch nicht erkannt werden, weil hierzu das optische BiId n6tig gewesen w~re, das durch die Leitungs-stSrung yore Occipitallappen nicht mehr herbeigefiiln't werden konnte.
Die Argumente L~Oa'~AnDS entsprechen durchaus den kl~ssischen Vorstellungen yon Baoc~, WE~'ICKJ~ und LTEP~A~'~. Gegen diesc Auffassung sind aber in den letzten 70 Jahren gewisse Einw/inde vorgebracht worden, auf (tie LEO~'~mD etwas zu wenig eingeht. ])eshalb erschien es mir wichtig, hier einige Bemerkungen anzuffigen.
Zun~chst halte ieh die Gegenfiberstellung der kla~sisehen Lehre und der ,,toodernen Ganzheitspsyehologie", wie L. dies einleitend tu~, nicht ftir glticklich. Unter Ganzheitspsychologie versteht man heute die Psychologie F. K~'EGERS und
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