𝔖 Bobbio Scriptorium
✦   LIBER   ✦

Haarnadelgegenstrom als Grundlage zur Erzeugung hoher Gasdrücke in der Schwimmblase von Tiefseefischen

✍ Scribed by H. J. Kuhn; P. Moser; W. Kuhn


Publisher
Springer
Year
1962
Tongue
English
Weight
434 KB
Volume
275
Category
Article
ISSN
0031-6768

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


Es ist eine bekannte, aber merkwürdige Tatsache, daß gewisse in der Tiefsee lebende Fische ihre Schwimmblase gegen den Schweredruek des Wassers mit Gasen wie 03, N2 und Argon füllen könncnl,la,l%ls,~l, 2~. Die Konzentrationen und Partialdrueke der im Wasser gelösten Gase sind praktisch unabhängig von der Wassertiefe. Anderseits können Gasblasen nur dann entstehen, wenn die Smnme der Partialdrucke der gelSsten Gase größer als der äußere Druck ist. Die Fische müssen also, um ihre Blase zu füllen, eine Einrichtung besitzen, mit welcher sie die im Blut gelösten Gase auf konzentrieren können. Es ist schon lange vermutet worden ~-10, is, daß diese Konzentrierung in der eigenartigen Blutversorgung der Schwimmblase, im Rete Mirabile 12, vor sich geht. Dieses Rete iV[irabi]e ist als Haarnadelgegenstromsystem aufgebaut, wobei das Blut zunächst durch feine arterielle und darauf im Gegenstrom zu sich selbst durch feine venöse Capillaren geleitet wird.

Es ist in einer kürzlich erschienenen Arbeit gezeigt worden 11, daß es mit Hilfe eines solchen Haarnadelgegenstroms möglich ist, durch Vervielfachung eines kleinen (im nachstehenden noch zu besehreibenden) Einzeleffektes die erforderlichen Drücke aufzubauen und damit eine Füllung der Blase in 200 m Tiefe zu verwirklichen. Auch die Zusammensetzung der in der Schwimmblase auftretenden Gase hinsichtlich O» N s und Ar wurde durch die genannte Betrachtung verständlich gemacht.

Die Bereehnungen wurden unter der Annahme durchgeführt, daß dem Blut am Scheitel des Itaarnadelgegenstroms, d.h. in der dort (zwischen t~ete Mirabile und Schwimmblase) befindlichen Drüse einerseits salzartige Stoffe (wie NH4HC03 usw.) und anderseits MilchsäureS, ~0 zugeführt werden, voraussichtlich dadurch, daß im Blut mitgeführte oder in der Drüse abgelagerte Stoffe wie Glykogen~, 5 und Eiweißkörper in geeigneter Weise abgebaut werden.

Nach den genannten Betrachtungen hat die am Seheitel der ttaarnadelgegenstromvorriehtung erfolgende Abgabe dieser Stoffe an das dort Pflügers Areh. ges. Physiol., Bd. 275