Forschung & Entwicklung
✍ Scribed by Lutz Sparowitz
- Publisher
- John Wiley and Sons
- Year
- 2008
- Tongue
- German
- Weight
- 59 KB
- Volume
- 103
- Category
- Article
- ISSN
- 0005-9900
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✦ Synopsis
Forschung & Entwicklung sind die Triebfeder der Wirtschaft -würde man annehmen! Am österreichischen Betontag 2008 hat der oberste Chef eines der größten Baukonzerne Europas die Ansicht vertreten, dass Forschung für die Bauwirtschaft nichts bringe und deshalb keinen nennenswerten Platz in seiner Konzernstrategie einnehme. Diese Äußerung des erfolgreichen und anerkannten Wirtschaftsexperten gibt natürlich zu Denken. Während in den meisten Wirtschaftszweigen, wie in der Medizin, in der Kommunikationstechnologie, im Maschinenbau etc. der Fortschritt hauptsächlich von der F&E getragen wird, gilt dies nur eingeschränkt für das Bauwesen. Warum ist das so? Wie immer geht es um Geld. Für bewährte Bauverfahren liegen langjährige Erfahrungen und genaue Kalkulationsunterlagen vor; die technische Ausrüstung ist meist vorhanden und häufig bereits abgeschrieben. Konservative Baumethoden lassen sich demnach leichter zu wirtschaftlichem Erfolg führen, als innovative Projekte, bei denen zu den Entwicklungskosten noch ein entsprechendes Ausführungsrisiko hinzukommt. Eine Erfindung patentrechtlich zu schützen, ist außerdem recht aufwändig. Der oben erwähnte Konzernchef zieht es deshalb vor, die F&E anderen zu überlassen und schließlich jene Firmen aufzukaufen, die eine wirtschaftlich interessante Innovation erfolgreich entwickelt haben. Wenn man den wirtschaftlichen Erfolg einer Bauunternehmung zum "Maß aller Dinge" macht, sind derartige Überlegungen durchaus nachvollziehbar, wenngleich sie das Leben der Forscher nicht erleichtern.
Für unsere Gesellschaft sind allerdings andere Werte und Ziele von Bedeutung, wie beispielsweise eine nachhaltig gesunde Volkswirtschaft und eine hohe Lebensqualität in einer von Menschenhand sorgsam erbauten Umwelt, die sich respektvoll in die unberührte Natur einfügt. Hier stellt sich gleich die Frage, warum in vielen Gebäuden, die mehr als hundert Jahre alt sind, die "Wohnqualität" besser ist, als in modernen Neubauten -obwohl zwischenzeitlich den Architekten und Ingenieuren neue Materialien und vielfältige technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
Die "brennendsten" Probleme unserer Gesellschaft -die Belastung unserer Umwelt, verbunden mit zu hohem Energieverbrauch -führen auch in der Bauwirtschaft zu einem Umdenken. Die kurzsichtige "Wegwerfmentalität" wird abgelöst von einem zukunftsorientierten Nachhaltigkeitsdenken.
Daraus folgen neue Forschungsthemen wie: Nachhaltigkeit durch Dauerhaftigkeit, Nachhaltigkeit durch Anpassungsfähigkeit, Nachhaltigkeit durch Qualität der Architektur, Wirtschaftlichkeit durch Serienfertigung, Nachhaltigkeit durch Wiederverwendbarkeit usw. Die Bauforschung sollte sich vermehrt derartigen Fragestellungen und Zielen widmen und sich aus der heute üblichen technischen Detailforschung etwas zurücknehmen.
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