Faszination Turmbau
✍ Scribed by Hans-Peter Andrä
- Book ID
- 101708295
- Publisher
- John Wiley and Sons
- Year
- 2005
- Tongue
- German
- Weight
- 59 KB
- Volume
- 100
- Category
- Article
- ISSN
- 0005-9900
No coin nor oath required. For personal study only.
✦ Synopsis
Witterungseinflüsse sind die wesentlichsten Einwirkungen auf den ungeschützten Stahlbetonschaft eines Stahlbeton-Fernsehturmes. Seinen sehr guten baulichen Zustand verdankt der Stuttgarter Fernsehturm nicht zuletzt einer genialen, ingenieurmäßig intuitiv richtigen Herangehensweise bei einer Reihe von damals noch unerforschten statisch konstruktiven Besonderheiten von Stahlbetontürmen, die seitdem Gegenstand von Forschung und Entwicklung sind, und über die auch in diesem Heft berichtet wird. Es sind dies beispielsweise die Einwirkungen von Wind und Temperatur, die Betontechnologie und Betoneigenschaften, die Rißbildung und die Bauteileigenschaften wie Steifigkeit, Schwingungs-und Dämpfungsverhalten. Diese Besonderheiten sind auf komplexe Weise miteinander verknüpft: Die Betoneigenschaften mit Dauerhaftigkeit und Rißbildung, die Windeinwirkungen mit Steifigkeit, Schwingung und Dämpfung und die Rißbildung wiederum mit der Steifigkeit und den Temperatureinwirkungen. Diese komplexen Zusammenhänge können zwar mit modernen Rechentechniken parameterhaft zerlegt werden, die Verfeinerung der Berechnungsansätze führt dabei aber auch zu neuen Schwierigkeiten, die bisher noch nicht allgemein befriedigend gelöst sind, z. B. das Sicherheitskonzept bei steifigkeits-bzw. widerstandsabhängigen Einwirkungen. Durch die Satellitentechnik hat die Bedeutung von Türmen für die Telekommunikation zwar abgenommen, dafür ist mit Windenergieanlagen ein neues großes Anwendungsgebiet entstanden. Damit haben die wirklichkeitsnahe Ermittlung von Eigenfrequenzen und konstruktiven Maßnahmen zur Abstimmung des Eigenfrequenzverhaltens auf die Erregerfrequenzen große Bedeutung gewonnen. Mit dem Versiegen fossiler Brennstoffe werden in naher Zukunft neue Herausforderungen mit dem Bau von 1000 m hohen Türmen mit großen Durchmessern für Aufwindkraftwerke zu bewältigen sein. Dazu gehört auch die Betontechnologie, in der es revolutionierende Entwicklungen gibt. Vor wenigen Jahren wurde damit begonnen, die Eigenschaften des Baustoffs Beton durch Zusatzstoffe und Zusatzmittel grundlegend zu modifizieren. Damit stehen wir am Beginn einer Entwicklung, die die klassische Stahlbetonbauweise als herstellungstechnisch getrennte Zweikomponentenbauweise für Zug-und Druckbeanspruchungen (Verlegen der Bewehrung und anschließende Betonage) Zug um Zug ersetzen wird. Ein Teilgebiet dieser Entwicklung, nämlich die Zugabe von Polypropylenfasern zur Erhöhung der Brandbeständigkeit und die Zugabe von Stahlfasern anstelle von Stabstahlbewehrung in Fundamentplatten, wird ebenfalls in diesem Heft behandelt. Faserbeton ist auch das Thema beim ersten CCC 2005 Kongreß "Faserbeton in der Praxis" am 8. und 9. September 2005 in Graz. Es findet dort der bisher größte internationale Kongreß zum Gebiet Faserbeton statt. Über 40 Fachleute aus mehr als zehn Ländern werden in ihren Vorträgen die neuesten Forschungsergebnisse und Erfahrungen mit dem Baustoff Faserbeton präsentieren. Einen Einblick in die einzelnen Vorträge gibt die Vorschau auf die Tagung auf S. 462-647. Für erfolgreiche anwendungsorientierte Entwicklungen ist eine auf die Einfühlung in die Erfahrung sich stützende Intuition erforderlich, wie dies beim Stuttgarter Fernsehturm gezeigt wurde. Einfühlung in die Erfahrung bedeutet dabei auch verantwortungsbewußte Risikoanalyse und Risikobewertung. Es besteht Anlaß zur Sorge, daß durch die verwirrende Vielfalt europäischer Regelwerke, die immer mehr Lehrbuchcharakter annehmen, dieser Intuition der notwendige Freiraum genommen wird. Über den Bau des ersten großen Turmes berichtet die Bibel im Buch Genesis 11, und ein Vergleich mit dem derzeitigen Bau des europäischen Normenwerkes drängt sich auf. Der Turmbau zu Babel wurde bekanntlich nie fertig gestellt, sondern führte zur babylonischen Sprachverwirrung.
📜 SIMILAR VOLUMES
Wo der Tod lauert – von Killerlöwen, Monsterkrokodilen und Mörderhaien Nirgendwo liegen Furcht und Faszination so eng beieinander wie bei der Vorstellung, einem sogenannten »Menschenfresser« zu begegnen. Aber sind Tiger, Löwe, Krokodil und andere Raubtiere tatsächlich die Bestien, für die wir sie h