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Ein IR-spektroskopisches Kriterium für die sterische Anordnung von Phenylgruppen

✍ Scribed by Lüttke, Wolfgang


Publisher
Wiley (John Wiley & Sons)
Year
1963
Weight
575 KB
Volume
668
Category
Article
ISSN
0074-4617

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✦ Synopsis


In den IR-Spektren von cis-Benzolmonoderivaten, wie cis-Azobenzol, cis-Stilben und P(anti)-Benzaldoxim, finden sich im Bereich von 650 bis 800 cm-1 Banden, die in den Spektren der entsprechenden trans-Verbindungen fehlen. Sie kommen durch ,,Verstimmung" von nicht-ebenen Deformationsschwingungen des aromatischen Systems infolge einer sterisch bedingten ,,ortho-CH-Storung" zustande. Die Anwendung dieses Effekts bei der IR-spektroskopischen Konstitutionsbestimmung wird erortert.

Bei der empirischen IR-spektroskopischen Konstitutionsbestimmung lassen sich monosubstituierte Benzolringe an ihren beiden charakteristischen, sehr intensiven Banden bei 725 und 76Ocm-1 erkennen; von diesen ist die hohere Frequenz einer nicht-ebenen Defonnationsschwingung der H-Atome des aromatischen Rings (yCH), die tiefere einer nicht-ebenen Deformationsschwingung des Ringgeriistes (I?) zuzuordnen. Die Korrelation zwischen dem Auftreten dieser Banden und dem Substitutionstyp (Benzolmonoderivat) ist durch wnfangreiches Material belegt 1).

Bei vielen Monoderivaten des Benzols ist der SchluB vom Spektrum auf die Konstitution sicher und eindeutig, weil der Bereich dieser Schliisselbanden weitgehend oder ganz von anderen Absorptionen frei istvor allem dam, wenn der Substituent am Benzolring selbst einfach aufgebaut ist und nur wenige Atome enthalt. Bei einer Reihe von Substanzen fallt jedoch auf, daR im Bereich von 680-800 cm-1 aul3er den beiden erwarteten noch eine bis drei weitere, mitunter intensive Banden auftreten. Besonders charakteristisch zeigt sich eine solche Vermehrung der Bandenzahl beim Vergleich der Spektren von cisltrans-isomeren Monoderivaten des Benzols. So findet man etwa beim trans-Azobenzol (Abb. 1 a) das normale und typische Spektrum der C&~-Gruppe mit zwei intensiven Banden bei 776 und bei 689 cm-1. Dagegen zeigt das cis-Azobenzol (Abb. 1 b) im gleichen Bereich vier starke Banden bei 777, 756, 700 und 688 cm-1. Dal3 es sich hierbei nicht um einen Einzelfall, sondern um eine allgemeine, offenbar charakteristische Eigenschaft mancher Benzolderivate handelt, geht aus den Daten der Tabellen und aus den Abbildungen 1 a-3 d hervor, in denen jeweils die Banden der beiden isomeren Formen einander gegeniibergestellt sind.


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