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Ein Eisen(III)-Catechol-Komplex als Pilzfarbstoff

✍ Scribed by Franz von Nussbaum; Peter Spiteller; Matthias Rüth; Wolfgang Steglich; Gerhard Wanner; Brandy Gamblin; Lorenzo Stievano; Friedrich E. Wagner


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1998
Tongue
English
Weight
103 KB
Volume
110
Category
Article
ISSN
0044-8249

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✦ Synopsis


Professor Heinrich Nöth zum 70. Geburtstag gewidmet Der Violette Schleierling [Cortinarius violaceus (L.: Fr.) S. F. Gray] [1] ist ein Blätterpilz, der durch seine dunkelblauviolette Farbe und seinen Geruch nach Zedernholz auffällt. Bereits Fries [2] bezeichnete die Typusart der groûen Gattung Cortinarius als ¹species nobilissima, pulcherrimaª. Bemühungen, die chemische Natur des violetten Farbstoffs zu ergründen, scheiterten bisher an dessen Zersetzlichkeit und Polarität. Die tiefvioletten Wasserextrakte frischer oder gefriergetrockneter Pilze verfärben sich innerhalb weniger Minuten schmutzig-braun. Diese Zersetzung läût sich unterdrücken, wenn man die lyophilisierten Pilze vor der Extraktion mit Wasser zunächst erschöpfend mit Methanol extrahiert. Die so erhaltene wäûrige Lösung wird gefriergetrocknet und die gelösten Inhaltsstoffe nach Zusatz von 0.1proz. KOH an Sephadex LH-20 mit Methanol/Wasser (1/1) chromatographisch aufgetrennt. Auf diese Weise gelingt eine Anreicherung des hochempfindlichen Farbstoffs, der jedoch wegen starker Signalverbreiterung keine aussagekräftigen NMR-Spektren liefert. Hierfür ist paramagnetisches Eisen verantwortlich, das sowohl im Extrakt als auch im Pilz nachgewiesen werden kann. Da die Farbintensität mit dem Eisengehalt korreliert, sollte es sich bei dem violetten Farbstoff um einen Eisenkomplex handeln.

Die Ergebnisse aus energiedisperser Röntgenspektroskopie [3] (EDX), Atomabsorptionsspektroskopie [4] (AAS) und der Rhodanidprobe belegen, daû C. violaceus auf einzigartige Weise Eisen anzureichern vermag. Der Eisengehalt des Pilzes beträgt 4.5 ± 7.5 mg g À1 Trockenmasse und ist damit etwa hundertmal höher als der für Basidiomyceten ermittelte Durchschnittswert von 0.06 mg g À1 . [5,6] Nach den Möûbauer-Spektren [7] (Abb. 1 und 2, Tabelle 1) liegt das Eisenion im Farbstoff dreiwertig vor, und das ESR-Spektrum [8] deutet auf einen High-spin-Eisen(iii)-Komplex hin. [9] Die Spektren der gefriergetrockneten Pilze und des Wasserextrakts sind identisch. Abb. 1. Möûbauer-Spektren bei Raumtemperatur. a) Gefriergetrockneter C. violaceus; b) Wasserextrakt; c) synthetischer Eisen(iii)-b-Dopa-Komplex (1:2) bei pH 6.2. T rel relative Transmission. Abb. 2. Möûbauer-Spektren bei 4.2 K. a) Gefriergetrockneter C. violaceus; b) Wasserextrakt; c) synthetischer Eisen(iii)-b-Dopa-Komplex (1:2) bei pH 6.2.


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