𝔖 Bobbio Scriptorium
✦   LIBER   ✦

Die Wiederkäuer. Ökophysiologisch hochdifferenziert, biologisch erfolgreich–in ihrer Vielfalt gefährdet. Eine vergleichend-anatomische Betrachtung der Evolution des Wiederkäuer-Verdauungsapparates

✍ Scribed by Dr. Reinhold R. Hofmann


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1991
Tongue
English
Weight
939 KB
Volume
21
Category
Article
ISSN
0045-205X

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


Okophysiologisch hochdifferenziert, biologisch erfolgreich in ihrer Vielfalt gefahrdet. Eine vergleichend-anatomische Betrachtung der Evolution des Wiederkauer-Verdauungsapparates Mit dem Begriff Wiederkauer verbindet jeder konkrete Vorstellungenmeistens konzentrieren sie sich freilich auf die domestizierten Arten Rind, Schaf u n d Ziege. Vie1 seltener werden Giraffen, Riisseldikdiks, Elche, Rehe oder gar die eckzahnbewehrten Moschustiere, Riesen und Zwerge aus den beiden artenreichsten Hauptfamilien der Ruminantia, in diese Vorstellungen einbezogen. Die meisten wissenschaftlichen Daten stammen von den drei zuerst genannten Haustierarten, von denen lange Zeit auf die ,restlichen", immerhin circa 150 Arten verallgemeinernd extrapoliert wurde. Die Grundinformationen uber Wiederkiiuer in den Biologiebiichern, ja selbst in den groflen Serienwerken u n d zoo- logischen Handbiichern lauten, wenn es urn den Wiederkauer-Verdauungsapparat und seine Funktionen geht, einheitlich einfach. Aufgrund sorgfaltiger Beobachtungen ist schon lange klar, dai3 Nahrungswahl und Ernahrungsgewohnheiten der Giraffengazellen oder Gemsen von denen abweidender Bisons und Kaffernbiiffel verschieden sind und dai3 amerikanische Weii3wedelhirsche sich nicht wie Heidschnucken oder Gnus in der Serengeti ernahren. Bei meiner Ankunft 1962 im ,,Wiederkauerparadies" Ostafrika begann ich, mich mit Strukturen und Funktionen des Wiederkauer-Verdauungsapparates vergleichend und systematisch zu befassen. Als ich Kenya nach zehn Jahren verliei3, hatte ich die Verdauungssysteme von 29 wildlebenden Arten untersucht. Gemeinsam mit dem britischen Botaniker D. R. M. Stewart [4] schlug ich eine neue Klassifizierung der Wiederkauer in drei sich uberlappende Ernahrungstypen vor, die sich an der Nahrungswahl sowie an den Strukturmerkmalen des Verdauungstraktes dieser Pflanzenfresser orientiert. Diese Einteilung in 0 Konzentratselektierer (KS), 0 Gras-und Rauhfutterfresser (GR) und 0 Intermediartypen (IM)