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Die Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Zu ihrem 25. Jahrestag am 11. Januar 1936

✍ Scribed by A. Binz


Publisher
John Wiley and Sons
Year
1936
Tongue
English
Weight
468 KB
Volume
49
Category
Article
ISSN
0044-8249

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✦ Synopsis


Vor melir als hundert Jahren wurden die Gedanken ausgesprochen, die bei der Begriindung der ,,Kaiser Wilhelm-Gesellscliaft zur Forderung der Wissenschaften" fortwirkten. Fichte stellte den Satz auf, daB der bedeutende Gelehrte, der Mann der Wissenschaft, immer auch der beste, in letzter und tiefster Absicht wirksamste Lehrer sein werde, und im Sinne dieses Wortes galt es in der Folge bei der Besetzung von 1,ehrstiihlen als das hochste Ziel, Personlichkeiten zu berufen, welche erfolgreiche Forscher und auch gute Lehrer sind. Das hat sich besonders in der Chemie ausgewirkt, denn Manner wie Liehig, Hofmann, Kekule' schufen die \70rmachtstellung der deutschen Chemie, weil sie jenen Idealzustand .verkorperten.

In jenem Wort aufierte sich Pichte als einer der geistigen Begriinder einer ,,allgemeinen Lehranstalt" in Berlin, wie es urspriinglich hieB. Diese allgemeine Lehranstalt wurde in1 Jahre 1810 durch Wilhelm v . Humboldt im Auftrage des Konigs als U n i v e r s i t a t Berlin geschaffen, und Humboldt suchte bei der Besetzung der Lehrstiihle sowohl der Forschung als auch dern Unterricht gerecht zu werden. Aber Humholdt erkannte zugleich auch eine Liicke in diesem System. Er sah Falle voraus, wie wir sie besonders in der GroBstadt erlebt haben, dalJ es namlich Forschungsgebiete und Forschernaturen gibt, die mit AusschluB jeder anderen, insbesondere der zeitraubenden Unterrichtstatigkeit, zu einander gehoren. Hu,m,boldt forderte darum in einer Denkschrift ,,Hilfsinstitute", worunter er reine Forschungsinstitute auBerhalb des Hochschulbetriebes verstand.

Dieser Gedanke tauchte wieder auf, als die Zeit der Hundertjahrfeier der Universitat Berlin herannahte. Vom Kultusministerium, insbesondere dem Ministerialdirektor Schmidt-Ott und seinem Referenten Huqo Krub, ging ein Plan aus, mit dessen Ausfiihrung der auch in weltlichen Dingen sehr erfahrene Theologe Adolf Harnack betraut wurde. An ihn richtete v. V a l e n h i , der Chef des Geheimen Zivilkabinetts am 2 . September 1909 folgendes Schreibenl) :


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