Die fehlerhafte Anwendung biologischer Agenzien in der organischen Chemie. Eine Warnung
✍ Scribed by Van Niel, C. B. ;Hooft, F. Visser't
- Publisher
- Wiley (John Wiley & Sons)
- Year
- 1925
- Weight
- 397 KB
- Volume
- 58
- Category
- Article
- ISSN
- 0365-9631
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✦ Synopsis
Anwendung biologischer Agenzien in der organischen Chemie. mine Warnung. (Emgegangen a m 12. Juni 1.925.) Schon langst hat man eingesehen, d& biochemische Methoden a d e rordentlich wichtige Hilfsmittel sind zur Aufklarung verschiedener Probleme der organischen Chemie, und in den Handen hervorragender Forscher hat die Anwendung dieser Methoden glanzende Resultate geliefert, z. B. bd der Konstitutions-und Konfigurations-Ermittlung der Zuckerarten und ihrer Abkommlinge. Es sei hier nur an die Arbeiten Pasteurs, Bertrands, F i s c h er s und vieler anderer erinnert. Leider konnen diese Methoden in den Handen der Nicht-Biologen A d a 5 zu vollig irrefiihrenden Schldfolgerungen geben. Es ist dies die Folge einer ungeniigenden Kenntnis der Faktoren, die beim Arbeiten mit Mikroorganismen zu beriicksichtigen sind. Diesen fehlerhaften Schliissen begegnet man zumal in den Arbeiten, in denen lebende H e f e als biochemisches Agens verwendet wird. Fast immer geht man dann von der Voraussetzung aus, die lebende Hefe (Prel3hefe) sei ein einheitliches Prinzip, wie z. B. Schwefelsaure. Diese Voraussetzung aber ist durchaus unzulassig. Die PreShefe des Handels z. €3. ist in mikrobiologischer Hinsicht niemals rein. Selbst wenn man in mikroskopischen Praparaten auch auf Millionen von Hefezellen keine einzige andere Mikrobe auffinden kann, SO darf man hieraus nie auf die Abwesenheit fremder Keime schliel3en. Wenn man dann auch rnit der reinsten PreBhefe Versuche anstellt, die sich entweder auf langere Zeit ausdehnen oder die durch abnorm fur die Hefe zu nennenden Bedingungen gekennzeichnet sind, so gelangt man immer zu der 'ifberzeugung, da5 in dem anscheinend reinen Aussaatmaterial eine relativ kleine, jedoch absolut grof3e Anzahl der verschiedensten Mikroorganismen anwesend sein mu& So kann man immer mit Leichtigkeit aus jeder PreRhefe die folgenden Mikrobenarten isolieren: Milchsaure-Bakterien -von denen man je nach den Versuchsbedingungen eine oder mehrere Arten nachweisen kann. Man vergleiche hierzu die Arbeiten von B ei j erinck, Henneberg, van Steenberghe usw. Der letztgenannte Forscher fand z. B. in einer erstklassigen PrelShefe nicht weniger als 13 verschiedene Arten Milchsaure-Bakterien l) -; Essig s a u re -€3 a k t e r ien , auch mehrere Arten ; K a hrn -He f en (Mycoderma-, Willia-und Torula-Arten) : s p o r en b il d en d e Bakterien; Schimmelpilze, wie z. B. Oidum lactis. Also erscheint uns die PrelShefe als ein Gemisch verschiedenartiger Mikroben, und es leuchtet ein, daS man in Kulturversuchen rnit solchen Gemischen darauf achten muS, daB sich in den Kulturen ein Kampf ums Dasein entwickeln wird, wo diej enigen Arten, welche den herrschenden Bedingungen am besten gewachsen sind, auf Kosten der iibrigen Mikroben die Oberhand erlangen werden. Bin einziges Beispiel moge das Obengesagte erlautern. Wenn man nadel-knopfgrol3e Stiickchen PreShef e in ganz mit Wiirze gefiillte Flaschen bringt, rnit den Stopfen schliat und dann bei 250, 35O oder 45O warend 24Stdn. stehen lat, dann wird man nach dieser Zeit in den verschiedenen Flaschen Ann. Inst. Past. 84, 803 [IgZO].
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