𝔖 Bobbio Scriptorium
✦   LIBER   ✦

�ber den Einflu� m�tterlicher Antik�rper des ABO-Systems auf Reticulocytenzahl und Serumbilirubin bei Fr�hgeborenen

✍ Scribed by Schellong, G�nther


Publisher
Springer-Verlag
Year
1964
Weight
917 KB
Volume
90
Category
Article
ISSN
0044-2917

No coin nor oath required. For personal study only.

✦ Synopsis


In vorangegangenen Untersuehungen fiber die Auswirkungen mfitterlieher Antik6rper des AB0-Systems auf den Ieterus neonatorum hatten wit beobaehtet, dag die Serumbilirubinkonzentration bei einer kleinen Gruppe relier Neugeborener aus AB0-heterospezifisehen Mutter/Kind-Verbindungen wesentlieh h6her lag als bei den fibrigen Neugeborenen. Diese Gruppe bestand aus solehen Kindern, bei deren Miittern die gegen die kindliehe AB0-Blutgruppe geriehteten Antik6rper zu einem positiven Ausfall des AB-Gamma-Tests ffihrten (SctIELLONG 1962). Die heterospezifisehen Neugeborenen mit negativem Ausfall des AB-Gamma-Tests bei der Mutter untersehieden sieh in ihren Bilirubinwerten nicht yon den Kindern aus AB0-homospezifisehen Konste]lationen, bei denen bekanntlieh ein EinfluB yon mfitterliehem Anti-A bzw. Anti-B yon vornherein ausscheidet.

Nit dem AB-Gamma-Test (FISCHER 1961) werden inkomplette AntikSrper des AB0-Systems nachgewiesen, die der y-Globulin-Fraktion angehSren. Sie werden yon FISCHER als die eigentlichen ,,ImmunantikSrper:' des AB0-Systems angesehen und haben in der Pathogenese des dureh AB0-Unvertrgglichkeit hervorgerufenen Morbus haemolytieus neonatorum entseheidende Bedeutung.

Entgegen den Verh&ltnissen bei reifen Neugeborenen war bei Friihgeborenen erstaunlicherweise keinerlei EinfluB mfitterlieher Immunanti-k6rper des AB0-Systems auf den Serumbilirubingehalt in den ersten Lebenstagen erkennbar. Es schien demnaeh, dab mfitterliches Immun-Anti-A bzw. -Anti-B wohl bei reifen heterospezifischen Neugeborenen, nieht aber bei Frfihgeborenen einen hgmolytischen Prozeg verursachen kann. Dieses Ergebnis wurde yon uns mit einer geringeren Ausreifung der A/B-Receptoren an den Frfihgeborenenerythrocyten erkl/~rt.

Da bei diesen Untersuchungen an Frfihgeborenen auBer den MaximMwerten nur die 24 End 72 Std naeh der Geburt erhobenen Bilirubin-* Mit Unterstfitzung durch die Deutsche Forsehungsgemeinschaft.

Einflul~ miitterlicher AntikSrper des AB0-Systems auf l~eticulocytenzahI 135 konzentrationen ausgewertet werden konnten, schlossen wir eine zweite Beobachtungsreihe an, in der das Serumbilirubin noch systematischer verfolgt wurde. Daneben wurden auch die Reticuloeyten kontrolliert, da ehle Vermehrung der Reticulocyten bei reifen Neugeborenen neben der Erh6hung des Serumbilirubins zu den am regelm/igigsten zu findenden Symptomen eines h/~molytischen Prozesses geh6rt. Zudem sind im Schrifttum bislang keine eingehenderen Angaben fiber das normale Verhalten der Retieuloeyten bei Frfibgeborenen zu finden.

Untersuchungsgang

Bei insgesamt 120 Frfihgeborenen (Geburtsgewicht unter 2500 g) wurden zungchst ts sp/iter in gr6Beren Abst/~nden die Gesamtbflirubinkonzentration ira Serum und die Reticulocytenzahl ermittelt. Die ersten Blutentnahmen erfolgten 24 :J: 41~ Std nach der Geburt. Die welteren Bestimmungen wurden bei allen Kindern bis zu einem Alter yon 5 Tagen in etwa 24stfindigen Abst/~nden vorgenommen, danu jedoch nur noch bei denjenigen Frfihgeborenen fortgeffihrt, bei denen der Gipfel des Bflirubinanstiegs noch nicht eindeutig iiberschritten war. Erst nach zweimaligem eindeutigen Absinken des Serumbilirubins wurden die t~glichen Kontrollen beendet. Weitere Bestimmungen wurden naeh Ablauf yon 10, 20 und 30 Tagen (yon der Geburt an gereehnet) durehgeftihrt.

Wghrend zungehst keine Auswahl der Kinder getroffen wnrde, zogen wir im letzten Stadium der Untersuchung nur noch Frfihgeborene mit AB0-heterospezifischer Blutgruppenkonstellation zwisehen Mutter und Kind heran. Die unvollstgndigen Ergebnisse yon 7 in den ersten Lebenstagen verstorbenen Kindern wurden nicht mit verwertet, ebenfalls die Resultate yon 3 Frfihgeborenen, die nach dem 7.Tag infolge Duodenalatresie, Pneumonie bzw. eitriger Meningitis starben.

Bei sgmtlichen Frfihgeborenen wurden AB0-Blutgruppe und Rh-Faktor bestimmt. Im Falle eines Anstieges des Serumbilirubins fiber 14 rag-% wurde der direkte Coombstest dnrcbgefiihrt (stets negativ). Ergaben sieh die Blutgrnppen A, B oder AB, sehlossen wir eine Blutgruppenbestimmung bei der lVs an. Wenn sich hierbei eine AB0-heterospezifische Konstellation zwisehen Mutter und Kind herausstellte (d. h. wenn die regul/s AntikSrper im mfitterlichen Serum gegen die kindliehe Blntgruppe geriehtet waren), wurde das mfitterliche Serum auf tt/~molysine und mit dem AB-Gamma-Test untersueht. AuBerdem ermittelten wit die Anti-A-nnd Anti-B-Titer in Koehsalzl6sung und Albumin.

Methoden

Zur Reticulocytenziih[ung wurde die Supravitalfgrbung mit Brillantkresylblau verwendet. Eine kleine Blutmenge (ca. 0,02 ml) wurde zun~chst zu einer etwa gleich-groBen ~enge der FarblSsung (1 ~ Brillantkresylblau in RingerlSsung) in ein kleines Z. K~derheflk., Bd. 90