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Auswahlkriterien zu Antikoagulanzien: Klinische und pharmakoökonomische Aspekte

✍ Scribed by Hans-Peter Lipp


Publisher
John Wiley and Sons
Year
2004
Tongue
German
Weight
256 KB
Volume
33
Category
Article
ISSN
0048-3664

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✦ Synopsis


Abstract

Wie bei vielen anderen Arzneimittelgruppen stellt sich auch bei den Antikoagulanzien immer wieder die Frage, welche Auswahlkriterien bei der Entscheidung für ein bestimmtes Präparat unter mehreren verfügbaren zu berücksichtigen sind. Unter mediko‐legalen Aspekten ist es wichtig, den nationalen und internationalen Zulassungsstatus des Präparats zu kennen, da eine Anwendung im off‐label‐use grundsätzlich eine weitergehende Beratungspflicht gegenüber dem Patienten erforderlich werden lässt. Bei speziellen Indikationen, wie z.B. Anwendung in der Schwangerschaft, ist es ratsam, auf Präparate zurückzugreifen, bei denen möglichst viele dokumentierte Fälle vorliegen. Ergeben sich diesbezüglich keine Unterschiede, so entscheiden häufig Praktikabilitätsgründe (z.B. Möglichkeit der Einmalgabe pro Tag, Möglichkeit der Fixdosierung, Verfügbarkeit von Multidose, Pen oder Fertigspritzen) vor Ort die Auswahl. Während in den letzten 15 Jahren die niedermolekularen Heparine (NMH) aufgrund der Fülle der Studienergebnisse das unfraktionierte Heparin (UFH) zunehmend aus verschiedenen Indikationen verdrängten, ist bereits jetzt absehbar, dass mit dem selektiven Faktor‐Xa‐Inhibitor Fondaparinux und dem oralen direkten Thrombininhibitor (ODTI) Ximelagatran neue Diskussionen in Gang kommen, wie z.B. die ausschließliche Fixdosierung in der Thromboseprophylaxe und ‐therapie, der Verzicht auf Thrombozytenbestimmungen, die erleichterte Anwendung in Verbindung mit einer rückenmarksnahen Punktion oder Anbringen eines Katheters und — im Fall des ODTI — die Möglichkeit der oralen Thromboseprophylaxe ohne das Risiko von Cytochrom‐P450‐abhängigen Arzneimittelinteraktionen oder die Notwendigkeit eines INR—Monitorings [25]. Die Arbeitsgruppe um R. Janknegt hat in den 90er Jahren mit der SOJA‐Methode ein System vorgeschlagen, das über ein definiertes Punktesystem eine ständig aktualisierbare, transparente und objektive Beurteilung von Arzneimitteln unter Berücksichtigung verschiedener, klinisch relevanter Parameter (Tab. 1) erlaubt [1]. Ein entsprechendes System ist derzeit in Deutschland nicht etabliert, wäre aber aus klinischpharmakologischen, pharmakoökonomischen und medikolegalen Aspekten wünschenswert, insbesondere auch unter dem Aspekt, dass neue Entwicklungen zeitnah diesem Rating unterzogen werden könnten.


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